Sa., 30.06.2012
Wohnungsverein mit neuem Aufsichtsrat Erfolgreicher Aufstand der Mieter
Mit rund 200 stimmberechtigten Genossenschaftlern war die Mitgliederversammlung am Donnerstagabend im „Hof Wohnungsverein“ außergewöhnlich gut besucht.
Rheine - Neuer Aufsichtsrat beim Wohnungsverein Rheine: In einer Kampfabstimmung haben die Genossenschaftler bei einer mit rund 200 stimmberechtigten Personen außergewöhnlich gut besuchten Mitgliederversammlung am Donnerstagabend im „Hof Wohnungsverein“ mit Fredi Menke und Norbert Brinck ihre Kandidaten mit deutlicher Mehrheit durchgesetzt. Die vom amtierenden Aufsichtsrat vorgeschlagenen Kandidaten Karl-Heinz Patalla und Manfred Richter hatten keine Chance. Patalla stand zur Wiederwahl, Richter war Kandidat des Aufsichtsrates für den aus Altersgründen ausscheidenden Jürgen Biermann.
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Der Wohnungsverein war zuletzt wegen seines umstrittenen Projektes „Hof Wohnungsverein“ in die Schlagzeilen geraten. Im alten Aufsichtsrat hatte es offensichtlich unterschiedliche Meinungen über das Nutzungskonzept des aufwendig renovierten Gebäudes gegeben. Das bestätigte Vorstandsvorsitzender Reinhard Marx nach der Neuwahl am Donnerstagabend.
„Es wird jetzt wieder ein frischer Wind wehen“, sagte Marx. „Der Aufsichtsratvorsitzende Manfred Kühs und ich haben nun wieder Rückendeckung.“ Aus seiner Sicht sei es eine „positive Sache“, dass der Genossenschaftsgedanke neu belebt worden sei.
Innerhalb der Genossenschaftler kursierte auch das Gerücht, dass der alte Aufsichtsrat einen Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden gesucht haben soll.
Im Vorfeld der Mitgliederversammlung hatte es unter den Genossenschaftlern bereits seit längerer Zeit rumort. Viele Mieter vertrauten der Linie des alten Aufsichtsrates nicht mehr. „Da gab es unter anderem das Gefühl, dass nicht genug für die älteren Semester gemacht wird“, sagte Menke. Der alte Aufsichtsrat habe „vieles blockiert“.
„Viele Entscheidungen sind über die Köpfe der Mieter hinweg getroffen worden“, kritisierte auch Gaby Wideman, deren Familie sei 74 Jahren Genossenschaftsanteile besitzt. Während der Versammlung hatte sie das Wort ergriffen und darauf hingewiesen, dass sich der Aufsichtsrat im Sinne des Genossenschaftsgedankens aus Mitgliedern zusammensetzen sollte. In der Vergangenheit seien die Vorschläge für neue Aufsichtsratsmitglieder aus dem Aufsichtsrat gekommen. „Das waren nie Mieter oder Leute, die planten, Mieter zu werden. Das waren eigentlich immer Leute aus bestimmten politischen Organisationen.“
Neben zahlreichen anderen Genossenschaftlern gehörte Wideman zu einer Aktionsgruppe innerhalb der Genossenschaftler, die versucht hat, aus der Stimmung Stimmen zu machen. „Das ist uns gelungen“, freut sich Wideman.
Andere Genossenschaftler sprachen nach der Veranstaltung am Donnerstagabend davon, dass der alte Aufsichtsrat „abgewatscht“ worden sei und dass es in dessen Reihen „lange Gesichter“ gegeben habe.
Die Neu-Mitglieder im Aufsichtrat stellen sich ausdrücklich hinter die gut 50 Mitarbeiter des Service-Teams beim Wohnungsverein. Eine Unternehmensanalyse des alten Aufsichtsrates war von Genossenschaftlern wohl so interpretiert worden, dass mit der Auflösung des Service-Betriebes zu rechnen sei. „Ich bin selbst Handwerker. Ich weiß, was unsere Servicemitarbeiter leisten. Nach meiner Meinung muss der Servicebetrieb unbedingt aufrecht erhalten werden“, sagt Neu-Aufsichtsrat Menke. Ins gleich Horn bläst Marx: „Durch unsere gut 50 Mitarbeiter sind wir wesentlich handlungsfähiger. Durch Arbeiten im eigenen Bestand sind wir komplett ausgelastet. Der Betrieb verschafft uns gewaltige Kostenvorteile.“ Auch beim Knackpunkt „Hof Wohnungsverein“ sieht Marx jetzt Licht am Horizont: „Es gibt noch kein neues Nutzungskonzept, aber wir verhandeln nachhaltig mit dem JfD.“
Mit dem Rückenwind des neuen Aufsichtsrates sehe er Chancen, das Projekt zum Jahresende zum Laufen bringen zu können.
