Di., 31.07.2012
Rheiner Schüler segeln auf der „Alexander von Humboldt II“ Es war ne harte Überfahrt
Teilweise starker Seegang machte die Überfahrt zu keinem Vergnügen.
Rheine - „Es war ne harte Überfahrt, zehn Wochen nur das Deck geschrubbt. Hab die Welt verflucht, in den Wind gespuckt und salziges Wasser geschluckt“. Was Achim Reichel einst in seinem Lied „Sansibar“ besang, haben die beiden Rheinenser Philipp Müllender und Sebastian Forst jetzt hautnah erlebt. Die beiden 16-Jährigen waren für zwei Wochen auf einem Ausbildungssegelschiff unterwegs. Auf der Bark „Alexander von Humboldt II“ ging es von Saint-Malo in der Bretagne durch den Golf von Biskaya und den Atlantik bis in die portugiesische Hauptstadt Lissabon.
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Rund um die Uhr erlebten die beiden Schüler den rauen Alltag und die Grundbegriffe der traditionellen Seemannschaft kennen. Wenig Schlaf, meterhohe Wellen und eine Schräglage von bis zu 25 Prozent – eine entspannte Kreuzfahrt sieht anders aus. Vor allem, weil die beiden Rheinenser zur knapp 80-köpfigen Besatzung gehörten, die mit anpacken muss. Bei jedem Wetter. Und da hieß es auch schonmal, in die Takelage aufzuentern, um Segel zu raffen. Knapp 33 Meter hoch ist der Großmast. „Da guckt man am besten nicht runter“, sagt Sebastian Forst. Gefährlich sei das aber zu keiner Zeit gewesen, da alle durch Leinen gesichert seien. „Darauf wird extrem geachtet“, sagt Müllender.
Neben den vielen alltäglichen Aufgaben auf dem Schiff prägte der Wachablauf das Tagesgeschehen. Jede Wache besteht aus einer Gruppe von bis zu 18 sogenannten Trainees, also Neulingen, einem Steuermann, einem Toppsmatrosen sowie mehreren Matrosen und Leichtmatrosen. Unter Anleitung des Toppsmatrosen befindet sich die Wache an Deck und ist für die Bedienung der Takelage, das Steuern des Schiffes und das Besetzen des Ausgucks verantwortlich. Die beiden anderen Wachgruppen haben während dieser Zeit „Freiwache“. Sie können die Freizeit genießen, schlafen, sich seemännische oder nautische Fähigkeiten beibringen lassen. „Wir mussten auch mal Kartoffeln schälen“, berichtet Forst. Trotzdem: Schlechtes Essen habe es nie gegeben, sagt Müllender. „Das war wirklich gut und abwechslungsreich.“
Lohn für die Strapazen an Deck waren Begegnungen mit Delfinen, die das Schiff neugierig beäugten, ein Captain´s Dinner mit großer Party oder die Landausflüge in Saint-Malo oder Lissabon mit einer Crewparade. „Das hatte ein bisschen was von Karneval“, sagt Müllender. Die Crew verkleidete sich während dieser Paraden und zog durch die Straßen der Hafenstädte.
Wie man auf die Idee kommt, den Sommerurlaub am Strand gegen die harte Überfahrt auf einem Segelschiff zu tauschen? Ein Bekannter, der bereits einmal auf der „Alexander von Humboldt“ gesegelt ist, erzählte Sebastian Forst von dem Trip. Der war sofort Feuer und Flamme und überredete seinen Freund Philipp, mitzukommen. Beide bewarben sich – und erhielten die Zusage. Die „„Alexander von Humboldt II“ ist ein ziviles Segelschulschiff, auf dem allen interessierten Menschen zwischen 15 und 75 Jahren das traditionelle Segeln ermöglicht und beigebracht wird. Es gehört der Deutschen Stiftung Sail Training (DSST).
