Sa., 30.06.2012
Josefsschule verabschiedet Werner Fritzler nach 34 Jahren / Goldenes Ehrenzeichen der Caritas verliehen Bewegte Zeiten enden ergreifend
Emotionaler Moment: Als die Lehrer und Kollegen das Abschiedslied „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“ sangen, stiegen Werner Fritzler die Tränen in die Augen. Seine Frau Elke drückte ihrem Gatten dabei die Hand – genau am 42. Hochzeitstag.
Wettringen - Es sind nur ein paar kurze Momente, in denen Werner Fritzler die Tränen in die Augen steigen. Mitarbeiter und Kollegium der Josefsschule sangen bei der Abschiedsfeier für ihren Rektor am Freitagmorgen eine eigene Version von „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“. Von grauem Haar ist da die Rede, „doch im Herzen noch jung“. Fritzler schaut nach unten, versucht sich in diesem bewegenden Moment zu beherrschen. Seine Frau Elke neben ihm drückt ihm liebevoll die Hand. Am Ende seiner 34 Jahre in Wettringen, 22 davon als Leiter der Josefsschule, war die Zeit des Abschieds gekommen.
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Auch vor ihrem Lied trafen die Lehrer und bekannten Gesichter der Einrichtung den richtigen Ton. Auf der großen Leinwand flimmerten ihre Fotos mit kurzen Anmerkungen. „Alles Gute!“, „Tschüss“ und „Danke für die Gespräche“ war da zu lesen. Auch „Danke fürs Kaffeekochen“ oder „Deine Menschlichkeit war stets bewundernswert“. Es war schlicht und doch ergreifend. Und es passte zu Fritzler, der seinen Konrektor Swen Artmann in den vergangenen Wochen häufig gebeten hatte, „nicht so eine große Sache daraus zu machen“, wie der verriet.
So ganz konnte Artmann dieser Bitte aber nicht nachkommen. Denn Fritzler hat die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung durch bewegte Zeiten geführt. Unerschütterlich, humorvoll, wachsam, höchst kompetent, gelassen, integrierend und kommunikativ – alle Festredner waren sich in der Charakterisierung Fritzlers einig. Er habe die Josefsschule „durch viele Höhen, Tiefen und erhebliche Veränderungen geführt“, hob Bürgermeister Engelbert Rauen hervor. „Ihre Leistung war ein Pfund“, lobte er Fritzler. Rauen selbst hatte damals als Pädagoge für ein halbes Jahr an der Josefsschule gearbeitet. „Dabei habe ich mehr gelernt als in so manchem Seminar davor.“
Norbert Dörnhoff vom Caritasverband Rheine, Geschäftsführer der Stiftung St. Josefshaus, sprach bei der Leitung einer solchen Schule von der „anspruchsvollsten Tätigkeit, die die deutsche Schullandschaft zu bieten hat“. Er dankte Fritzler für die „hervorragende Zusammenarbeit, für das Unkomplizierte, für das Vertrauen und Deine unerschütterliche Gelassenheit. Du warst immer für die Schüler da.“ Mit der Schließung des Heimbereichs, dem Anstieg der Schülerzahlen aus dem ganzen Kreis (aktuell sind es 160) und der Inklusion seien drei wichtige Entwicklungsstränge in die Zeit von Werner Fritzler gefallen.
Sein Nachfolger Rainer Blenkers werde diese Entwicklung „weiter verfolgen und mit seinem Team alles unternehmen, um jungen, schon oft ausgegrenzten und enttäuschten Menschen die Chance zu bieten, zu sich selbst zu finden, zu den eigenen Ressourcen zurückzufinden oder sie neu zu entdecken und so den Start in das weitere Leben mit Mut, Zuversicht und einem guten Bildungsstand anzugehen“, meinte Dörnhoff.
Noch mehr Lob für Fritzler gab es von Clemens Lübbers (Geistlicher Rat der Josefsschule), Nicole Vogt-Jürgens (Schulpflegschaftsvorsitzende) und Jürgen Bernroth (Leiter der Janusz-Korczak-Schule in Uffeln). Auch die Schüler selbst ließen ihren Rektor nicht einfach so gehen. In einem Sketch nahmen sie nicht nur Fritzler, sondern auch sich selbst auf die Schippe – das war sehr gelungen. Und der Schulchor besang den scheidenden Chef gar als „Superboy“, musikalisch angelehnt an einen Hit von Reamonn.
Werner Fritzler selbst stand am Ende der Feierstunde am Rednerpult. Er habe mehr emotionale Momente befürchtet, gestand er. Nur beim Gardeoffizier sei es „eng“ geworden. Der allgemeinen Lobhudelei widersprach er: „Ich ziehe eine etwas kritischere Bilanz meiner Arbeit, aber die Worte haben gut getan.“ Zum Abschluss verriet er dem Publikum, dass er auf den Tag genau vor 42 Jahren seine Frau Elke geheiratet hat. Ihr dankte er besonders für ihre Unterstützung. Sie habe ihm den Rücken freigehalten – und das klinge nur floskelhaft, sei aber nicht so. In einem ausführlichen Video, das symbolhaft seinen letzten Arbeitstag zeigte, dankte Fritzler vielen Weggefährten und Kollegen. Dabei, und auch das passte, sollte niemand vergessen werden.
