Mo., 25.06.2012

Ludger Burmann („Tatort“, „Der Fahnder“) zu Gast beim Tellerrand-Kulturfrühstück Der Fiesling liest erotische Poesie

Ludger Burmann („Tatort“, „Der Fahnder“) zu Gast beim Tellerrand-Kulturfrühstück : Der Fiesling liest erotische Poesie

Die 25 Interessierten, die der Einladung des Kulturvereins Tellerrand am Sonntagvormittag ins „Hotel zur Post“ gefolgt waren, wurden durch hohes literarisches Niveau belohnt. Foto: kös

Wettringen - Nein, so kennt man ihn gar nicht. Bei „Tatort“, „Der Fahnder“, „Polizeiruf 110“ oder dem „Großstadtrevier“ spielt er häufig den Bösewicht oder Fiesling. Beim Wettringer Kulturfrühstück am Sonntagmorgen zeigte sich der Schauspieler Ludger Burmann von seiner liebenswürdigen Seite. Er las auf seine unnachahmliche Weise erotische Poesie.

Von Stefan Kösters

Erotik von ihm? Und das am Sonntagmorgen in Wettringen? Oh ja, sehr wohl. Gleich zu Beginn zeigte Burmann, worauf er hinauswollte – mit einer Geschichte der schwedischen Autorin Helene Tursten, von der man viele Krimis, unter anderem die Irene-Huss-Reihe, kennt. „Das alte Lied“ beschreibt sehr plastisch und direkt eine wunderschöne Mittsommernacht, die eine Frau – auch körperlich – mit ihrem Liebhaber erlebt. Sie holt sich die Kraft der Liebe zurück, die durch die Affären ihres Ehemannes zerstört war. Erst am Schluss und durch das unerwartete Auftauchen ihres verständnisvollen Enkels erfährt der Zuhörer, dass die Frau bereits 74 Jahre alt ist.

Keine zwei Minuten, und Burmann zog das Publikum in seinen Bann. Man spürte förmlich auf der eigenen Haut, wie der Liebhaber der Protagonistin am Strand das Sonnenöl verstreicht. „Es hat mich total gefesselt“, sagte später eine Zuhörerin. „Das reichhaltige Frühstück und der Kaffee vor mir auf dem Tisch durften ruhig kalt werden“.

Die 25 Interessierten, die der Einladung des Kulturvereins Tellerrand ins „Hotel zur Post“ gefolgt waren, wurden durch hohes literarisches Niveau belohnt, mit „heimlichen Wünschen, unerfüllten Träumen, atemloser Nähe, frivolen Gedanken, Sehnsüchten und Lippen, die Brandwunden hinterlassen“, wie in der Ankündigung zu recht versprochen wurde. Dass das Ambiente so gar nicht zum Thema passte – kahle Tische in einem kahlen Raum mit zu grellem Licht – wurde durch die tolle schauspielerische Leistung Burmanns wettgemacht.

Und der griff in ein Füllhorn von sinnlicher Literatur, die man von Joachim Ringelnatz, Wilhelm Busch, Rainer Maria Rilke, Bertolt Brecht, Ludwig Thoma, Hermann Hesse oder Erich Kästner nie erwartet hätte. Ebenso wenig wie von Zeitgenossen wie Erich Mühsam, Mascha Kaleko, Marie Luise Kaschnitz und Eva Strittmatter.

In Erich Kästners „Konferenz am Bett“ sitzt er bis zum frühen Morgen am leeren Bett, stellt sich vor, seine Liebste sei darin und beschreibt seine innigsten Gedanken. Das Gedicht wurde von Holger Münzer vertont, in Wettringen begleitete Sven Bergmann am Klavier Ludger Burmann durch den Morgen. Wie auch bei Erich Frieds „Es ist, was es ist, sagt die Liebe“.

Oder Gioconda Belli und Pablo Neruda aus Südamerika: „Schon die Gedichte von ihnen sind Tango“, so Burmann. Stimmt: Der Rhythmus der großartigen Zeile aus „Fruchtige Liebe“ ist einer: „Dein Körper ist das verlorene Paradies, aus dem mich nie ein Gott wird vertreiben“.

Ludger Burmann ist vielseitig. Er unterrichtet Schauspieler und Firmenbosse genauso wie Priester, dass man ihnen zuhört. „Fiesling im Film zu sein ist lustig“, sagte er der MV. „Aber eine erotische Lesung macht auch richtig Spaß! Den brauche ich dabei, sonst geht’s nicht. Da ist nichts Pornografisches, nichts Schwülstiges, alles ist sinnlich und humorvoll“. So und nicht anders war das Tellerrand-Kulturfrühstück am Sonntagmorgen.

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