Mo., 30.07.2012

„Die Kaffeekantate“ von J.S. Bach als musikalische Filmkomödie / Premiere auf Festivals geplant Filmwerkstatt Münster dreht Kurzfilm an der Villa Jordaan

„Die Kaffeekantate“ von J.S. Bach als musikalische Filmkomödie / Premiere auf Festivals geplant : Filmwerkstatt Münster dreht Kurzfilm an der...

Ungewöhnliches Bild auf der Terrasse der Villa Jordaan in Rothenberge: Die Filmwerkstatt Münster drehte hier einen Film. Das Foto zeigt Lieschen-Darstellerin Kathrin Osterode beim Singen einer Arie über den Kaffee. Foto: Jochen Keller

Wettringen - Fahrradfahrer und Fußgänger staunten nicht schlecht: Knapp zwei Wochen lang, vom 13. bis zum 25. Juli, diente die Villa Jordaan auf dem Rothenberg als Filmkulisse. Die Filmwerkstatt Münster drehte hier „Die Kaffeekantate“ von Johann Sebastian Bach in einer neuen Fassung als musikalischen Kurzfilm. Die MV besuchte kurz vor dem Abschluss die Dreharbeiten an der Villa.

Von Wolfgang Attermeyer

Lieschen ist dem Kaffee verfallen. „Ei, wie schmeckt der Coffee süße“, singt sie und schlendert mit einer Tasse über die Terrasse der Villa Jordaan. „Lieblicher als tausend Küsse, milder als Muskatenwein“, setzt sie ihre Arie fort, während die Sonne scheint und der Wind ein wenig an ihrem Sommerkleid zerrt. Sie lächelt, und ihr Blick geht über Rothenberge in die Ferne. „Stop“, ruft jemand. Lieschen hört auf zu singen. Regisseur Julian Isfort steht auf, gibt ein paar Anweisungen. Die Kamera fährt zurück in die Ausgangsposition. Nochmal von vorne. Eine typische Situation in den vergangenen zwei Wochen, hier mitten auf dem Rothenberg, wo die Filmwerkstatt Münster „Die Kaffeekantate“ von J.S. Bach als eine musikalische Filmkomödie gedreht hat.

Die Geschichte klingt unterhaltsam: Lieschen treibt ihren Vater, den Baron Schlendrian, durch ihre Kaffeesucht in den Ruin. Sie trinkt ihn nicht nur, sondern hortet und sammelt kostspieliges Gerät, Zutaten, Tassen. Um Haus und Hof zu retten, versucht Schlendrian die ungehorsame Tochter mit seinem Bankier zu verheiraten. Lieschen selbst hat jedoch eine heimliche Romanze mit dem afrikanischen Gärtner, welcher ihr einen unwiderstehlichen Kaffee braut. So nimmt ein amüsantes Verwirr-, Versteck- und Verwechslungsspiel seinen Lauf – und die Auflösung liegt im Geheimnis des Kaffees.

Kamera läuft, Ton auch. Und bitte. „Ei, Ei, wie schmeckt der Coffee, ei, ei, ei wie süße“, wiederholt Lieschen ihren Part in dieser Szene. Sie wird gespielt von Kathrin Osterode. Auch die weiteren Rollen sind mit namhaften Schauspielern besetzt, die von der Bühne oder aus dem Fernsehen bekannt sind. Wolfgang Krautwig spielt den Baron Schlendrian, Thomas Giegerich den Diener, Cristina Andrione das Dienstmädchen, Alain Morel den bereits erwähnten Gärtner und Kai Noll („Unter uns“), der wohl bekannteste Darsteller im Ensemble, mimt den Bankier.

Regisseur Julian Isfort verlagerte die moderne Version des Stücks mit barocken Elementen ins Münsterland – und fand in der Villa Jordaan in Rothenberge ideale Bedingungen dafür (siehe Interview unten). Landschaft, Einrichtung, Lage – all das passte zum Inhalt und zur Zeit, in der „Die Kaffeekantate“ spielt. Sie bot dazu den Vorteil, dass sämtliche Szenen, sowohl Innenaufnahmen als auch Außendrehs, hier gedreht werden konnten. Zudem liegt sie recht abgeschieden, und dennoch mussten einige Szenen abgebrochen werden, weil unbedarfte Spaziergänger ins Bild liefen. Die Filmwerkstatt hatte auf Hinweisschilder verzichtet und die Zufahrt zur Villa nicht gesperrt, um die Neugier nicht noch zu fördern. Die Wahl der Lokalität lief auch über den Förderkreis der Universität Münster, die die Villa Jordaan seit 1962 als Gäste- und Seminarhaus nutzt.

„Ei, wie schmeckt der Coffee süße, lieblicher als tausend Küsse, milder als Muskatenwein, milder als Muskatenwein“, setzt Kathrin Osterode ihre Sopran-Arie fort. Die Kamera begleitet sie auf Schienen. Neben den zehn Darstellern sind etwa 30 weitere Leute für die Rahmenbedingungen wie Beleuchtung und Ton zuständig. Alle arbeiteten sehr gut zusammen; es gab kaum Verzögerungen im Drehplan.

Nach den Drehtagen in Rothenberge beginnt jetzt die Postproduktion (Schnitt, Ton, Farbkorrektur), die bis November dauert. Der Film wird eine Länge von etwa 35 bis 40 Minuten haben und soll dann auf Filmfestivals eingereicht werden, wo er dann zum ersten Mal öffentlich gezeigt wird – unter anderem beim Filmfestival in Münster im Herbst 2013. Es ist auch geplant, den Film als Sondervorführung in Wettringen zu zeigen – wann, steht noch nicht fest.

„Coffee, Coffee, Coffee muss ich haben, Und wenn jemand mich will laben, ach, ach, ach so schenkt mir Coffee, ach so schenkt mir Coffee ein“, beendet Lieschen ihr Loblied auf den Kaffee. Sie setzt sich an den Tisch auf der Villaterrasse und trinkt einen Schluck aus ihrer Tasse. „Danke“, sagt Regisseur Isfort. „Einmal noch“, bittet der Kameramann. Lieschen darf ihr Lied erneut singen.

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