Duisburg - Nach der Massenpanik bei der Duisburger Loveparade hat die Suche nach Schuldigen begonnen. Die Stadt Duisburg hat sich am Mittag auf einer Pressekonferenz zur Katastrophe und ihren Ursachen geäußert. Die Zahl der Todesopfer liegt bei 19, die Verletztenzahl wird offiziell auf 342 beziffert. Die MV-Redaktion hat aber erfahren, dass es sogar mehrere Tausend Verletzte gegeben haben könnte.
19.50 Uhr: Die Polizei hat eine weitere Hotline eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0201/82 98 091 wird Menschen Hilfe angeboten, die aufgrund ihrer schockierenden Erlebnisse am Samstag ein persönliches Betreuungsangebot in Anspruch nehmen möchten. Die Helfer sind auch per E-Mail zu erreichen unter der Adresse: „Betreuungsangebot.Loveparade@polizei.nrw.de“.
19.30 Uhr: An der Unglücksstelle in Duisburg drohte die Stimmung eben beinahe zu kippen, als Oberbürgermeister Adolf Sauerland Blumen niederlegte. Einige umstehende Menschen buhten den Politiker aus oder beschimpften ihn wüst. Sauerland verließ den Ort direkt wieder.
19.18 Uhr: Mittlerweile hat die Online-Redaktion mehrere Berichte von Augenzeugen erhalten: Der Münsteraner Jörg Orthey war direkt am Ort des Geschehens und sagt: "Die Sicherheitskräfte waren machtlos!" Daniel Fahr aus Dülmen bestätigt: "Es war das komplette Chaos!" Der gebürtige Rheinenser und Wahl-Duisburger Andreas Büker macht deutlich, dass die Nachricht über die Katastrophe anfangs gar nicht zu den Feiernden durchgedrungen ist: "Die meisten Leuten wussten überhaupt nicht, was passiert war." Dominik Tenhaken aus Bocholt bestätigt diesen Bericht: "Die Fete an sich ging allerdings ganz normal weiter."
18.30 Uhr: Die Berufsfeuerwehr Duisburg soll Sicherheitsbedenken gegen die Loveparade gehabt und die Stadt auch entsprechend gewarnt haben. Das berichtet die „Kölner Rundschau“ (Montagausgabe). In einem internen Vermerk der Feuerwehr an Verantwortliche der Stadt hätten die Retter bereits im Oktober 2009 klargestellt, dass es zu gefährlich sei, die Besucher des Spektakels durch die Tunnel zu schicken. „Es wurde nicht reagiert“, sagte ein Beamter der Zeitung. Auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland soll demnach von diesem internen Vermerk gewusst haben.
18.11 Uhr: Die weiteren Orte der Todesopfer stehen nun fest: Die elf Deutschen seien aus den Städten Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel, Bad Oeynhausen, Bielefeld, Mainz, Lünen, Hamm, Bremen, Greven und Osnabrück angereist, teilt die Polizei mit. Eine getötete Chinesin lebte in Düsseldorf. Die anderen ausländischen Opfer stammen aus Australien, den Niederlanden, Italien und Bosnien-Herzegowina.17.55 Uhr: In Gedenken an die 19 Toten bei der Loveparade in Duisburg flaggt das Land Nordrhein-Westfalen auf Halbmast. Das sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag in Düsseldorf. Die Trauerbeflaggung sei ein Zeichen der Anteilnahme für die Opfer und ihre Angehörigen.
Über die Katastrophe von Duisburg wird es wohl im Laufe der kommenden Woche weiter Diskussionen geben. (Foto: dpa)
17.40 Uhr: Noch immer werden Personen vermisst. Zu der ohnehin schon nicht kleinen Liste sind sogar weitere hinzugekommen. Eine ungeordnete Übersicht findet sich hier: http://twitter.com/search?q=%23vermisst
16.35 Uhr: Laut der gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei sind alle 18 Todesopfer identifiziert. Unter diesen Opfern befinden sich niederländische, australische, italienische, chinesische und spanische und ein bosnischer Staatsangehöriger. Elf Opfer haben die deutsche Nationalität. Insgesamt starben elf Frauen und acht Männer im Alter von 18 bis 38 Jahren.
15.40 Uhr: Weitere Todesopfer sind identifiziert: Unter den Opfern der Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg ist auch ein junger Mann aus Niedersachsen. Bei dem Toten handelt es sich um einen 21-Jährigen, der in der Gemeinde Belm bei Osnabrück bei seinen Eltern lebte. Ein weiteres Opfer ist auch eine junge Frau aus Rheinland-Pfalz.
14.53 Uhr: Unklar ist noch die Frage, inwieweit es Kameras am Tunnel gab, die das Unglück aufgenommen haben. Auf einem Bild eines Loveparade-Besuchers ist jedenfalls zu erkennen, dass ein Polizist die Fluchtversuche einiger Menschen von oberhalb des Tunnels filmt.
14.42 Uhr: Laut der Seite sonderlage.de gibt es bislang noch etwa ein halbes Dutzend Vermisste: Daunter ist ein Mann aus Stade sowie ein junger Loveparade-Besucher aus Lippstadt, der offenbar dringend lebensnotwendige Medikamente braucht. Desweiteren werden Männer aus Bielefeld und Duisburg sowie vier weitere Frauen vermisst.
14.28 Uhr: „Ich bin durch die Hölle gegangen. Ich kann das nicht verarbeiten. Die Leute sind einander auf den Köpfen rumgetrampelt. Wir waren hilflos“, erzählt Martin Hahn, ein 27-jähriger Augenzeuge. Er kam als einer von etwa 50 Menschen am Sonntagvormittag zum einstigen Güterbahnhof.
14.20 Uhr: Der Chef des Bundeskanzleramts, Ronald Pofalla, und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder treffen sich am Sonntag mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft im Polizeipräsidium in Duisburg. Dort wollten sie sich ab 15.15 Uhr gemeinsam ein Bild von der Lage nach der Katastrophe auf der Loveparade machen.
14.13 Uhr:Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt nach der Loveparade-Tragödie von Duisburg wegen fahrlässiger Tötung. Die Ermittlungen richteten sich gegen unbekannt, sagte Staatsanwalt Rolf Haferkamp.
14.06 Uhr: Dr. Motte, der Erfinder der Loveparade, hat Konsequenzen aus dem Unglück von Duisburg gefordert. „Das ist das Wenigste, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und Buße tun“, sagte er am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Dr. Motte warf den Veranstaltern „totale Selbstüberschätzung“ vor. Er habe sich die Bilder vom Tunnel angeguckt - „eine Katastrophe“. Aus seiner Sicht hätte man vorher wissen können, welche Gefahr drohte.13.56 Uhr: Wie konnte es zu einer Masenpanik kommen? Bei Massenpaniken schaltet sich die soziale Kompetenz des Menschen ab - „aus Angst ist das eigene Überleben wichtiger, als die Rücksicht auf andere“, sagte der Psychologe Steffen Fliegel der Nachrichtenagentur dpa in Münster. „Der Organismus reagiert dabei völlig unkontrolliert.“ Die schnellen Fluchtbewegungen der panischen Menschen lösen dann in der Enge und der Menge ein Herdenverhalten aus. „Es entsteht eine lawinenartige Kettenreaktion“, sagte Fliegel.
13.40 Uhr: Offenbar liegt die Zahl der Verletzten weitaus höher als bisher angenommen: Wie die MV-Redaktion erfahren hat, hat es offenbar über den ganzen Tag verteilt nicht 345, sondern mehrere Tausend Verletzte gegeben.
13.30 Uhr: Mit „großem Schmerz“ hat auch Papst Benedikt XVI. der Loveparade-Opfer gedacht. „Ich denke im Gebet an die jungen Menschen, die ihr Leben verloren haben“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag beim Angelus in Castel Gandolfo.
13.25 Uhr: Unweigerlich kommt bei dieser Katastrophe die Frage auf, was passiert wäre, wenn die Aktion "Stillleben" vom vergangenen Wochenende auf der A40 ähnlich aus dem Ruder gelaufen wäre. Dort waren etwa drei Millionen Menschen.
13.15 Uhr: Unklar blieb, ob am Tunnel installierte Kameras möglicherweise Bilder von dem Unglück auf der Rampe aufgezeichnet haben. Von Schmeling betonte, dass zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 17 Uhr bereits ein zweiter Zugang geöffnet worden sei. Erst das Unglück selbst „hat dazu geführt, dass der Zugang ganz abgeriegelt wurde“.
13.11 Uhr: Das Aus der Loveparade scheint besiegelt. Die Party, vor 21 Jahren in Berlin gestartet, sollte ursprünglich kommendes Jahr in Gelsenkirchen fortgeführt werden - und damit seinen Weg durchs Ruhrgebiet beenden.
13.07 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet. Alle Beteiligten konnten nur minimal zur Aufklärung dieses Desasters beitragen. Wirkliche Erkenntnisse zur Ursache der Katastrophe gibt es noch nicht.
13.05 Uhr: Die Frage der Zuwege sei vorher mit vielen Sachverständigen und allen beteiligten Behörden geprüft worden, sagte Krisenstabsleiter Rabe. Es sei ein „ausgeklügeltes System“ entworfen worden, um weitere Zugänge zu schaffen. Auch dieses System sei durch Sachverständige geprüft worden.
13.03 Uhr: Laut Duisburgs Polizeipräsident Detlef von Schmeling sind die Opfer auf der Rampe zum Veranstaltungsgelände aufgefunden worden, nicht etwa im Tunnel selbst.
12.55 Uhr: Das Krisenmanagement greift selbst bei der Pressekonferenz nicht: Bei scheinbar ausgeschalteten Mikrofonen wollen sich die Beteiligten kurz besprechen, sie sind aber dennoch gut zu hören. Souverän wirken diese Stellungnahmen im Duisburger Rathaus nicht.
12.52 Uhr: Die Zäune um das Gelände des alten Güterbahnhofs seien laut Polizeipräsident Schmeling errichtet worden, um zu verhindern, dass Besucher die A59 oder Gleise betreten konnten. Zudem hätten die Zäune Rettungswege freigehalten.12.47 Uhr: "Meine Erkenntnisse bestätigen eine Massenpanik nicht", so Duisburgs Polizeipräsident Detlef von Schmeling. "Die Polizei hat den ganzen Tag regelnd eingegriffen und ihr Nötigstes getan."
12.41 Uhr: "Zum Zeitpunkt des Unfallgeschehens gab es Bewegungsmöglichkeiten auf der Rampe", argumentiert Duisburgs Polizeipräsident Detlef von Schmeling. Die Polizei habe Sperren errichtet, um den Druck vom Tunnel zu nehmen. „Es liegen keine Erkenntnisse vor, nach denen es einen so großen Druck auf den Tunnel gegeben hat, dass es zu diesem Unglück kommen musste“, sagte von Schmeling.
12.38 Uhr: Einzige bislang verifizierbare Zahl sind 105.000 Menschen, die in der Zeit von 9 bis 14 Uhr per Bahn nach Duisburg kamen. Krisenstabsleiter Rabe sagte, der Veranstaltungsplatz auf dem alten Güterbahnhof könne grundsätzlich gut bis zu 300.000 Menschen aufnehmen.
12.35 Uhr: Loveparade-Organisator Rainer Schaller ist sichtbar mit den Nerven am Ende. Er vermeidet jeglichen Augenkontakt. Auch die anderen Pressekonferenz-Teilnehmer wirken niedergeschlagen. Ein Journalist erhob soeben lautstark Vorwürfe und Kritik am Krisenmanagement.
12.33 Uhr: "Das Veranstaltungsgelände ist größer als das in Dortmund", versucht Loveparade-Organisator Rainer Schaller Vorwürfe abzuwehren.
12.30 Uhr: "Die Polizei hat eine zweite Zugangsrampe geöffnet", rechtfertigt sich Detlef von Schmeling, Polizeipräsident Duisburg. Die Stimmung auf der Pressekonferenz ist sehr aufgeheizt.
12.25 Uhr: Laut Duisburgs Polizeipräsident von Schmeling: liege das Alter der Todesopfer zwischen 20 und 40 Jahre. Berichte über 1,4 Millionen Besucher auf der Loveparade könne er nicht bestätigen. "Der Platz war zu keiner Zeit vollständig gefüllt."
12.20 Uhr: Bei Twitter kursieren noch immer Namen von Vermissten: Während Steven aus Duisburg noch immer nicht aufgetaucht ist, scheint Angelique aus Wesel wohlauf zu sein.
12.15 Uhr: Detlef von Schmeling, Polizeipräsident Duisburg: 16 Verstorbene sind identifiziert: ein Holländer, ein Chinese, ein Italiener und ein Australier sind darunter. Alle 16 Opfer sind nicht im Tunnel umgekommen.
12.10 Uhr: Loveparade-Organisator Rainer Schaller zeigte sich tief getroffen, aber gefasst: "Mir ist alles daran gelegen, die Geschehnisse vollständig aufzuklären." Die Veranstaltung werde aus Respekt vor den Opfern und ihrer Angehörigen zukünftig nicht mehr fortgesetzt. "Das bedeutet das Ende der Loveparade."
12.05 Uhr: Adolf Sauerland, Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, spricht den Angehörigen der Opfer sein vollstes Mitgefühl aus. Sauerland bestätigt, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen hat. In Kommentaren und Netz-Foren, vor allen Dingen auf "Twitter", kochen die Emotionen gegen den Oberbürgermeister derweil hoch.
11.59 Uhr: „Der Einsatz hat uns platt gemacht. Die Loveparade war in vielerlei Hinsicht ein Einsatz, den so alle noch nicht erlebt haben“, sagte Kai Vogelmann, Sprecher des Malteser Hilfsdienstes, der MV-Redaktion. „Unsere Einsatzkräfte waren körperlich am Ende, die konnten nicht mehr.“ In den Heimatorten der Helfer hätten sich noch am Samstag Psychologen darauf vorbereitet, besonders belastete Helfer zu betreuen.
11.50 Uhr: Wie "Zeit Online" und der WDR berichten, hat die Staatsanwaltschaft die Planungsunterlagen der Loveparade beschlagnahmt.
11.45 Uhr: Die Mikrofone im Duisburger Rathaus sind angeschlossen, die Journalisten sitzen bereit: Ob gleich die quälendste Frage beantwortet werden kann, wie es zu dieser Katastrophe auf der Loveparade kommen konnte?