„Bedways“: Sexfilm mit Kunst


Probe für einen Avantgarde-Film im Film.Foto:
Probe für einen Avantgarde-Film im Film.Foto:
(Neue Visionen)


Als „Bedways“ auf der Berlinale lief, schimpften manche über das prätentiöse Kunstwollen diskursgetriebener Dilettanten, die nächsten empörten sich pflichtgemäß: „Huch, Porno!“

Andere wiederum meinten, in Rolf Peter Kahls („Mädchen am Sonntag“) drittem Low-Budget-Werk endlich mal wieder einen Film mit Haltung zu erspähen. Sie alle haben gute Gründe für ihre Position: Ja, der Film ist sehr explizit (mehr noch als Chéreaus „Intimacy“), Foucault-befeuert bis zur Verstiegenheit, aber auch bewundernswert wagemutig in seinem Punk-Zugriff auf sein Thema: Identitätsbildung durch Sexualität.


Eine Regisseurin namens Nina (Kahls Stellvertreterin, könnte man sagen) engagiert zwei junge Schauspieler, Marie und Hans, um mit ihnen einen avantgardistischen Sexfilm zu drehen.

Geprobt, diskutiert, gestritten, gefilmt und im Dreieck geliebt wird in einer szenig-schäbigen Berliner Altbauwohnung, am Ende auch im Sexclubkeller.

Mitunter nervt zwar das strikte inszenatorische Bemühen um Distanz, aber am wirklich furiosen Ende geht das Konzept auf: Körper als Kommunikationsmittel und Sex als Selbstdarstellung. Ein durchaus relevantes Experiment.

VON GIAN-PHILIP ANDREAS, MÜNSTER


04 · 06 · 10





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