Romys Wesen erspielt

Romy (Jessica Schwarz) verliebt sich in Alain Delon (Guillaume Delorme). Doch die Beziehung zerbricht. Auch die spätere Ehe mit Harry Meyen (Thomas Kretschmann, kl. Bild) scheitert. Foto:
Romy (Jessica Schwarz) verliebt sich in Alain Delon (Guillaume Delorme). Doch die Beziehung zerbricht. Auch die spätere Ehe mit Harry Meyen (Thomas Kretschmann, kl. Bild) scheitert. Foto:
(SWR)


Das schien ja ein spannender Wettbewerb zu werden: „Wer ist die bessere Romy Schneider“, fragten sich nicht nur die Boulevard-Magazine, „Yvonne Catterfeld oder Jessica Schwarz?“ Und stellten Fotos gegeneinander, die die Ähnlichkeit der beiden Hauptdarstellerinnen mit ihrer Rollenfigur zeigen sollten. Wäre die Schauspielerei nichts als ein Lookalike-Wettbewerb - Yvonne Catterfeld hätte wohl knapp gewonnen.

Dass die Kinofilmversion dann aber aus finanziellen Gründen platzte und Yvonne Catterfeld gar nicht mehr gern auf die Rolle der Romy angesprochen wird, lenkt das Zuschauerinteresse wieder ganz auf den Fernsehfilm „Romy“, der gestern in Berlin Premiere hatte. Das Erste sendet ihn am 11. November. Mit Jessica Schwarz in der Titelrolle, die nicht unbedingt wie Romy Schneider aussieht, aber als Schauspielerin, wie zuletzt in Heinrich Breloers „Buddenbrooks“, schon eine Menge Lob einheimsen konnte.

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Die Geschichte, die Autor Benedikt Röskau und Regisseur Torsten C. Fischer erzählen, setzt mit einer Operation ein, der sich Romy Schneider 1981, ein Jahr vor ihrem Tod, unterziehen musste. In den Rückblenden, die sich aus dieser Situation entwickeln, werden dann allerdings nicht die einzelnen Lebensstationen der Schauspielerin Stück für Stück abgehandelt. Es gibt vielmehr Blicke auf entscheidende Episoden im Leben Romy Schneiders, mit dem der Zuschauer allerdings in groben Zügen vertraut sein sollte. Denn Ereignisse wie den wohl grausamsten Einschnitt in Schneiders Leben, den Unfalltod ihres Sohnes, deutet Torsten C. Fischer sehr dezent an. Den schauspielerischen Drill durch Luchino Visconti in Paris begreift man allerdings auch, ohne mit der Arbeit dieser Regie-Legende vertraut zu sein.

Romy Schneiders Abwenden vom lastenden „Sissi“-Image und vom zwiespältigen Stiefvater Blatzheim, die Beziehungen zu Alain Delon und Harry Meyen sowie die geradezu suchthafte Suche der Schauspielerin nach anspruchsvollen Rollen sind die Ecksteine dieses Film, der so eher zum Porträt als zur Filmbiografie wird. Und der eine überraschend stimmige Eigenständigkeit entwickelt: Nach der ersten Viertelstunde ist man bereit, für die noch folgenden 90 Minuten die historische Romy Schneider zu vergessen und sich der Filmfigur Romy anzuvertrauen. Weil Fischer mit seinem Regie- und Ausstattungsteam zwar auf historische Genauigkeit setzt, aber nicht in Retro-Bildern schwelgt. Und weil Schauspieler wie Guillaume Delorme als Alain Delon, Thomas Kretschmann als Harry Meyen und nicht zuletzt Jessica Schwarz in der Titelrolle den Kern ihrer mal aufsässigen, mal in Verzweiflung fallenden Figuren erspielen, statt überlieferte Gesten und Szenen nachzuahmen.


27 · 10 · 09



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