Vom Marken- zum Faktencheck

Wer hätte das gedacht: Der berühmteste Burger schnitt im Vergleichstest am schlechtesten ab. Oder: Die billigsten Klamotten sahen auf der Straße gar nicht schlecht aus. Aber auch: Der Einkauf beim Discounter war gar nicht viel preiswerter als im Supermarkt.

Lauter launige Erkenntnisse aus einer Reportage-Reihe, mit der das Erste seit ein paar Wochen regelmäßig für Gesprächsstoff sorgt. Denn ob man die Untersuchungen, mit denen beim Marken-Check die Produkte und Strategien von Lidl, McDonald´s oder H & M überprüft wurden, nachvollziehen kann oder nicht: Fast jeder will wissen, was denn dran ist am Image und an der Qualität der populären Ketten. Auch und gerade derjenige, der öfter bei - sagen wir mal - Edeka einkauft als bei Aldi oder der eher zur Pizza als zum Burger greift.


Besonders clever an der ARD-Strategie ist natürlich, wie offenkundig mit dem „Audience Flow“ kalkuliert wird, mit der Tatsache, dass ein Zuschauer auch nach Ende der Sendung beim Sender bleibt, wenn ihn auch das Folgende interessiert. Und das Folgende beim Marken-Check ist Frank Plasbergs „Hart aber fair“, wo es in diesen Wochen eben nicht um Tagespolitik à la Wulff und Euro geht, sondern um Fast Food, Einkauf oder Öko-Klamotten.

Besonders gut ist, dass bei Plasberg nicht nur die Vorlagen der vorausgehenden Sendung verwandelt werden, sondern auch mal eine Korrektur möglich ist. So widersprach jüngst eine Öko-Expertin dem Befund der Reportage, eine bestimmte Billigkette würde ordentliche Qualität liefern, mit dem schlichten Satz: „Meine Erfahrung ist anders“.

Der Markencheck ist - immerhin! - eine gelungene Mischung aus subjektiver Reportage und objektivierbarer Untersuchung nach verschiedenen Kriterien, ohne dass es einen Anspruch auf wissenschaftliche Relevanz gäbe. Aber wenn die selbstbewussten McDonald´s-Experten vorgeführt bekommen, dass viele Kunden in der Fußgängerzone das Konkurrenzprodukt leckerer fanden als ihren Burger, sieht der klammheimlich vergnügte Zuschauer in ratlose Mienen: Warum sind nicht wir die besten?

Gewiss, der Markencheck hat nicht den Anspruch, allem auf den Grund zu gehen: Ob durch die Billigklamotten des einen Ladens indische Näherinnen stärker ausgebeutet werden als durch die Preiswertklamotten des anderen, lässt sich bestenfalls vermuten. Aber wenn Experten bei Plasberg die Erkenntnis dazusteuern, dass faire Löhne in Indien durch einen minimalen Preisaufschlag erreicht werden könnten, dürften Verbraucher immerhin ins Grübeln gebracht werden. Zumal Plasbergs Faktencheck direkt danach die Bestätigung bringt. Und schön ist auch, dass die Macher der Sendung schlichte Urteile umgehen, sondern die getesteten Ketten lieber an deren eigenen Ansprüchen messen.



31 · 01 · 12




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