Oberhausen - Eine animierte Lokomotive rast über die Leinwand. Angus Young als Trickfilm-Teufel heizt den Kohlenofen immer mehr an. Der Zug mit der Aufschrift „AC/DC“ ist nicht mehr zu stoppen. Mit pyrotechnischem Getöse teilt sich die Videowand: Vor einer entgleisten Lok als Bühnendekoration eröffnet die australische Rock-Band ihren Riff-Reigen mit der aktuellen Single „Rock ‘n‘ Roll Train“.
Von Beginn an kraftmeiern sich die fünf einflussreichen Hardrocker durch ein mit altbekannten Hits gespicktes Set, das mit fünf Songs aus dem neuen Album „Black Ice“ angereichert ist. Die erste Tournee der Band seit fünf Jahren war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Und nichts hat sich geändert: Gitarrist Malcolm Young malocht, und Angus ackert seine Akkorde ab. Der mittlerweile 61-jährige Brian Johnson strapaziert seine Stimmbänder, und Phil Rudd drischt auch im übertragenen Sinne auf die Trommelfelle.
Die 12.500 Fans in der ausverkauften Arena in Oberhausen erkennen jedes Lied an den ersten Takten. Ihre Köpfe zieren blinkende Teufelshörner als Sympathiebekundung für den Star des Abends: Angus Young. Der Gitarrist ist wohl der einzige Mann, der ungestraft mit einer kurzen Hose und weißen Socken herumlaufen darf. Und wenn er bei „The Jack“ einen Striptease hinlegt und seine AC/DC-Unterhose entblößt, dann verzeihen ihm das die spärlich anwesenden weiblichen Fans: auch, dass für den Rest des Konzerts ein Etikett aus der Hose ragt.
Während Brian Johnson seine Muskeln spielen lässt und bei „Hells Bells“ am Seil einer großen Glocke schwingt, steht das Ende der spektakulären Show im Zeichen von Angus Young. Auf einer Hebebühne inmitten der Fans robbt, kriecht und schwitzt sich der Gitarrist durch ein zehnminütiges Gitarrensolo. Youngs unnachahmlichen Gang, eine Art vorwärtsgerichteter Moonwalk des Hard-Rock, feiern die Fans mit Sprechchören. Zwei Zugaben gibt es zur Belohnung: Bei „Highway To Hell“ wird die Bühne zur flammenden Hölle, und Angus Young tanzt den Teufel.
Auch nach 35 Jahren steht die Band immer noch unter Druck und erzeugt genügend Dampf für die unermüdliche Maschine AC/DC. „For Those About To Rock (We Salute You)“ beendet mit obligatorischen Salutschüssen das kurzweilige Konzert.