ürzlich konnten wir in der alttestamentlichen Lesung hören, dass Gott zu Mose gesprochen hat. Gott sprach aus einem brennenden Dornbusch mit Mose, und Gott gab sich selbst den Namen: „Ich bin der - Ich bin da.“ Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit das Katharinenkloster auf der Sinai-Halbinsel zu besuchen. Dieses Kloster wurde 584 n. Chr. gegründet und wird von griechisch-orthodoxen Mönchen bewohnt. Der islamische Prophet Mohammed hat dieses Kloster mehrfach besucht und ihm einen Schutzbrief ausgestellt. Bis heute wurde dieses Kloster niemals angegriffen oder zerstört. Innerhalb der Kostermauern wird ein Brombeerstrauch verehrt - inzwischen ein Baum - der der Legende nach der Strauch sein soll, aus dem Gott mit Mose gesprochen hat. Ob man das glaubt, bleibt jedem selbst überlassen. Doch unter diesem Baum geschieht jeden Tag ein Wunder. Viele Menschen stehen unter ihm, halten sich an den Zweigen fest - und beten. Menschen unterschiedlicher Nationen und vor allem Menschen unterschiedlicherReligionen. Da steht der Christ neben dem Moslem und der Moslem neben dem Juden. Sie stoßen sich nicht weg, sie werfen sich keine giftigen Blicke zu, sie beten still und voller Andacht. Und mir drängt sich der Gedanke auf: Vielleicht ist Gott immer noch in diesem Strauch, vielleicht spricht er den Menschen direkt ins Herz, macht ihnen auf wunderbare Art klar, dass er immer da ist und dass er mit allen Menschen, gleich welcher Religion, den Frieden in diese Welt bringen möchte.
Franz-Josef Reuver