Unruhe nach Mord in Schöppingen


Durchschnittlich 320 Asylsuchende leben in der Schöppinger Unterkunft. „Aktuell sind es 309“, sagt Verwaltungsleiter Dirk Backhaus. Am 14. September ist die Einrichtung Thema einer Sondersitzung des Schöppinger Rates.Foto:
Durchschnittlich 320 Asylsuchende leben in der Schöppinger Unterkunft. „Aktuell sind es 309“, sagt Verwaltungsleiter Dirk Backhaus. Am 14. September ist die Einrichtung Thema einer Sondersitzung des Schöppinger Rates.Foto:
(Jürgen Peperhowe)


Schöppingen - Auch zwei Wochen nach dem gewaltsamen Tod eines 18-jährigen Jugendlichen kommt Schöppingen nicht zur Ruhe. Trauer, Sorge, Verunsicherung, Verärgerung und Wut prägen die Stimmung der Menschen.

Eine der Ursachen dafür: Der Tat verdächtig ist ein 28-jähriger Iraker, der im Ort in einer Zentralen Unterbringungseinrichtung für Asylbewerber lebte. Er soll dem 18-Jährigen einen tödlichen Messerstich versetzt haben. Ein Küchenmesser, bei dem es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft vermutlich um die Tatwaffe handelt, wurde erst am Dienstag gefunden. Gegenüber den Ermittlern soll der 28-Jährige ausgesagt haben, früher bereits in England in eine Messerstecherei verwickelt gewesen zu sein. Zweieinhalb Jahre habe er dafür im Gefängnis verbracht. Interpol überprüft jetzt diese Aussage


Parallel zur Arbeit der Mordkommission fordert die Gemeinde Schöppingen, aus dem Vorfall Konsequenzen für die Asylbewerber-Einrichtung zu ziehen. „Die Tat hat uns schockiert“, sagt Bürgermeister Josef Niehoff. 17 Jahre lang sei die Gemeinde Schöppingen „ein guter und weltoffener Gastgeber“ für Menschen aus aller Herren Länder gewesen, die in der Asylbewerberunterkunft vorübergehend Aufnahme gefunden hätten.

„Wir haben dabei - anders als andere Kommunen - auch landespolitische Verantwortung getragen“, macht Niehoff deutlich. Zwar habe es in dieser Zeit keine so schwerwiegende Tat wie die jetzt verübte Tat gegeben, wohl aber „eine Vielzahl von Straftaten“. Diese Gesamtlage und der aktuelle Fall bedürften der Aufarbeitung. Niehoff: „Es kann nicht so bleiben wie es ist.“

Für Montag (14. September) hat er deshalb den Rat zu einer nichtöffentlichen Sondersitzung eingeladen. Teilnehmen werden daran auch der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel (zuständig für die Erstunterbringung von Asylbewerbern in NRW) sowie Vertreter von Staatsanwaltschaft und Polizei, die im aktuellen Fall ermitteln. „Über alle offenen Fragen“ will Niehoff die Diskussion führen, in der es nicht darum gehen könne, „alles in Harmonie zu erörtern“.

Für die Gemeinde müsse am Ende dieses Prozesses eine „verantwortungsvolle Entscheidung“ stehen. Dass damit auch die in Schöppingen laut gewordene Forderung nach Schließung der Einrichtung gemeint sein könnte, kommentierte Niehoff nicht: „Ich bin nur einer von 27 Entscheidungsträgern.“ Er will aber mit allen Fraktionen im Rat einen Beschluss erar­beiten.

Schon vor der Sondersitzung hat in dieser Woche ein Runder Tisch mit Vertretern der Gemeinde, der Bezirksregierung Arnsberg und der Polizei getagt. Ergebnis: In der Einrichtung sollen zusätzliche Ordnungskräfte für mehr Sicherheit sorgen, so Volker Milk, Abteilungsleiter bei der Arnsberger Bezirksregierung. Im Ort hat die Polizei ihre Präsenz verstärkt. Milk sagte zudem mehr Transparenz zu: „Wenn es Probleme mit einzelnen Asylbewerbern geben sollte, müssen die Dinge auch beim Namen genannt und Verstöße gemeinsam mit der Polizei konsequent verfolgt werden.“

Gleichwohl machte er deutlich, dass in der Einrichtung in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet worden sei: „In 17 Jahren sind hier 40 000 Asylbewerber durchgegangen. Und in all diesen Jahren war Schöppingen immer eine Mustereinrichtung für uns.“

VON KLAUS WIEDAU, GRONAU


03 · 09 · 09



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