Die Agnes-Miegel-Straße bekommt einen neuen Namen


Eine Agnes-Miegel-Straße wird es bald nicht mehr geben. Der Kulturausschuss beschloss, die St. Arnolder Straße umzubenennen.
Eine Agnes-Miegel-Straße wird es bald nicht mehr geben. Der Kulturausschuss beschloss, die St. Arnolder Straße umzubenennen.
(Foto: Homering)


Neuenkirchen-St. Arnold. Die Agnes-Miegel-Straße in St. Arnold wird umbenannt. Einstimmig sprach sich der Kulturausschuss am Dienstagabend dafür aus, den Namen der Nazi-Verehrerin Miegel aus dem Ortsbild zu tilgen. Zusammen mit den Anliegern soll nun ein neuer Name für die Agnes-Miegel-Straße gefunden werden. Sie sollen aus Vorschlägen einen neuen Namen aussuchen können.

Die Anlieger zeigten sich nach dem einstimmigen Beschluss des Kulturausschusses enttäuscht; sie hatten bei einer Befragung durch die Gemeinde mit großer Mehrheit die Beibehaltung des Namens gefordert. „Hier wird über unsere Köpfe entschieden“, sagte ein Anlieger; und ein anderer rief sarkastisch: „Die Zeitung hat gewonnen!“



Müssen Straßennamen von Nazi-Verehrern umbenannt werden?

Neuenkirchen - Die Agnes-Miegel-Straße in Neuenkirchen - St. Arnold wird umbenannt. Einstimmig sprach sich der Kulturausschuss am Dienstagabend dafür aus, den Namen der Nazi-Verehrerin Miegel aus dem Ortsbild zu tilgen. Auch in anderen Städten des Münsterlands - u.a. Münster und Ahlen - sind Straßen nach der Nazi-Verehrerin benannt. Sind Sie dafür, dass auch in anderen Städten die Straßennamen vor diesem Hintergrund verändert werden?



Die Münsterländische Volkszeitung hatte das Thema Ende Februar aufgebracht. Die Frage lautete: Ist Agnes Miegel als Namensgeberin einer Straße noch tragbar? Die MV hatte umfangreich über den Lebenslauf Agnes Miegels berichtet. Schnell nahm sich auch Bürgermeister Franz Möllering des Themas an. Die Diskussion war lebhaft, die Anlieger wurden gehört, viele Argumente wurden ausgetauscht.

40 Jahre lang trug die Straße den Namen der ostdeutschen Heimatdichterin. Als Wissenschaftler in den vergangenen Jahren belegten, dass Miegel eine Hitler-Verehrerin war und sich nie von ihrer Nähe zu den Nazis distanziert hat, fiel die Dichterin in Ungnade. Viele deutsche Städte tilgten den Namen Agnes Miegel aus ihrem Stadtbild, Schulen benannten sich um - unter anderem in Wilhelmshaven, Düsseldorf und Osnabrück.

Bürgermeister Franz Möllering wiederholte seine Argumentation für eine Umbenennung der Straße und betonte die „Kernfrage“: „Agnes Miegel hat sich nie von ihrer Nähe zu den Nationalsozialisten distanziert. Damit kommt sie für die Ehre einer Straßenbenennung nicht mehr in Frage.“ Möllering sagte: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Gräuel der Nazis nicht in Vergessenheit geraten. Sonst laufen wir Gefahr, dass sie sich wiederholen.“ Argumente wie „das ist ja alles schon so lange her“ könne er daher nicht gelten lassen.

Der Argumentation des Bürgermeisters folgten Sprecher aller Fraktionen, die sich intensiv mit dem Thema und der umfangreichen Ausschussvorlage der Gemeindeverwaltung auseinandergesetzt hatten. „Hier können nicht allein die Anlieger entscheiden“, sagte Detlev Husken (CDU). „Wir haben in dieser Frage eine Gesamtverantwortung für die Gemeinde.“ Agnes Miegel habe mit ihrer Arbeit sowie mit ihrer gesellschaftlichen Stellung die „Nazis gefördert“, ihr Name sei „belastend für die ganze Gemeinde Neuenkirchen“. Die Öffentlichkeit schaue kritisch, wie der Kulturausschuss mit dem Thema umgehe - das zeigten laut Husken Anfragen der Jüdische Kultusgemeinde Münster, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sowie überregionaler Medien.Ellen Pfennig (Grüne) sprach von einem „fragwürdigen Charakter“ Agnes Miegels. Zwar gebe es sicher noch „andere schwarze Schafe“, die noch nicht „entdeckt“ seien; aber es sei „notwendig“, diese Verfehlungen aufzudecken und zu bewerten.

Doris Hüging von der SPD betonte die „politische Verantwortung“, die der Rat und sein Kulturausschuss in dieser Frage haben. „Wir laufen sonst Gefahr, dass sich unsere Vergangenheit wiederholt“, sagte Hüging. Zwar hätten die Anlieger nun Unannehmlichkeiten durch die Umbenennung; die Gemeinde könne dabei aber sicherlich helfen, schlug Hüging vor.

Alexander Skawran (FDP) stellte die Frage, warum die Straße 1971 überhaupt nach Agnes Miegel benannt worden sei. Schon damals sei die Nazi-Vergangenheit Miegels bekannt gewesen. „Davon habe ich keine Kenntnis“, antwortete Bürgermeister Franz Möllering.

Sigrid Hallmann (UWG) stellte das Verfahren in Frage, die Anlieger zwar zu hören, ihr Votum aber nicht zu berücksichtigen, was sie „unglücklich“ fand. Bürgermeister Möllering sagte, ihm sei es zwar wichtig gewesen, die Anlieger zu informieren und zu hören; wegen der „gesamtgemeindlichen Bedeutung“ des Themas könnten die Anlieger diese Frage jedoch nicht allein entscheiden.

Von 13 der 72 Anlieger habe es kurz vor der Sitzung noch einmal ein Schreiben an den Bürgermeister zur Ehrenrettung Agnes Miegels gegeben. Darin verwiesen die Anlieger auf das Entnazifizierungsverfahren Agnes Miegels nach dem Krieg. Außerdem habe sie seit 1939 nicht mehr mit „Heil Hitler“, sondern mit „Gott ergebenem Gruß“ unterschrieben. Die Anlieger ziehen daraus den Schluss, dass Agnes Miegel von den Nazis „verführt und benutzt“ worden sei.

Bürgermeister Franz Möllering trat dieser Einschätzung noch einmal mit klaren Worten entgegen. „Agnes Miegel war weder leichtgläubig noch naiv. Sie war gebildet und privilegiert, sie hatte Auslandsreisen gemacht und wusste in ihrem letzten Lebensdrittel sehr wohl, was sie tat.“ Für Möllering sei die „Kernfrage“ das Verhalten Agnes Miegels nach der Nazi-Zeit. „Es fehlt ein Wort des Bedauerns, es fehlt die Distanzierung zu ihren Taten nach dem Krieg.“ Eine solche Person könne nicht mit einem Straßennamen geehrt werden.

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12 · 05 · 10



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