Blitzableiter der Region


Immer wieder beeindruckend: Blitze am Himmel.
Immer wieder beeindruckend: Blitze am Himmel.
(Foto: dpa)


Münsterland - Wo blitzt es am meisten im Münsterland? Glaubt man den Zahlen des deutschen Blitz-Informationsdienstes BLIDS, fuhren 2010 im Kreis Coesfeld die meisten Blitze zu Boden. In der Stadt Münster die wenigsten.

Woran dieser auffällige Ausreißer liegt, kann Karl-Heinz Nottrodt vom Deutschen Wetterdienst in Essen nur vermuten. „Sicherlich nicht nur daran, dass Münster so viel kleiner ist als der Nachbarkreis“, so Nottrodt. Der Diplom-Meteorologe bringt die Blitz-Häufung in Zusammenhang mit den Baumbergen, ja, er vergleicht den Kreis Coesfeld gar mit der Region um Augsburg, wo bundesweit die allermeisten Blitze niedergehen.


„Die Stadt Augsburg liegt im Vorfeld des Allgäu“, so der Experte. Da, wo Gebirge abrupt in Flachland übergingen, gebe es extreme Temperaturunterschiede: Wärme in den Niederungen, Kälte in der Höhe. Und auch wenn die Baumberge nur etwa 150 Meter höher lägen als das Umland, könne das schon zu einer Gewitterhäufung beitragen. Die extreme Differenz wirke wie „ein Kochtopf auf der Herdplatte, der irgendwann anfängt zu brodeln“, beschreibt Nottrodt.

Auch in der Nähe von Ballungsgebieten wie dem Ruhrgebiet wächst die Gewitterhäufigkeit. Dadurch nämlich, dass sich Beton und Asphalt im Sommer extrem aufheizten. „Und das fällt dann bei einer in breiter Fläche bebauten Region mehr ins Gewicht als bei Städten wie Münster.“

Oliver Klein, Geograf und Meteorologe bei Jörg Kachelmanns Wetterdienst Meteomedia in Bochum, hat so seine eigenen Theorien, warum es im Kreis Coesfeld so viele Blitze gibt. Er glaubt, dass das mit der besonderen Beschaffenheit des Untergrundes zu tun hat. „Sicherlich gibt es über Bergen eine höhere Thermik“, so Klein. Möglicherweise sei im Kreis Coesfeld aber auch der Anteil von dunklen Ackerflächen und Wäldern höher als im übrigen Münsterland. „Und die heizen sich stärker auf als hellere Böden.“

Wer in ein Gewitter gerät, dem raten die Experten, das ernst zu nehmen. „Ich war neulich im Schwimmbad, als es anfing zu grummeln. Da meinte der Bademeister: Nix wie raus!“, erzählt Wetterdienst-Mann Nottrodt. Hintergrund ist: Wasser leitet, wer also im kühlen Nass vom Blitz erwischt wird, der hat wenig Chancen, unbeschadet davonzukommen. Ähnlich ist es, wenn man barfuß auf nass-geregnetem Untergrund steht - und der Blitz schlägt ein. Nott­rodt: „Vor zwei Jahren gab es ein Unwetter in Xanten, bei den Römerfestspielen. Da sind Leute schwer verletzt worden, die 300 Meter entfernt standen vom Blitzeinschlag.“

Er empfiehlt, alle Bäume zu meiden, da sich der Blitz immer die geringste Entfernung zwischen Himmel und Boden suche. Und: rasch einen trockenen Ort zu erreichen, ein Au­to etwa, dem ja bekanntlich Blitze wenig anhaben können („Faradayscher Käfig“). Häuser und Wohnungen böten heutzutage zwar den Bewohnern ausreichend Schutz vor Gewittern, vor allem, wenn ein Blitzableiter die Energie gezielt in den Boden führt. „Sensible elektronische Geräte wie Computer, Stereoanlagen und Fernseher können aber trotzdem durch Überladung kaputtgehen“. Angezeigt sei es, vorsorglich einen sogenannten Überladungsschutz einzubauen.

VON JULIA GOTTSCHICK, MÜNSTER


16 · 08 · 10





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