Er ließ die Mauer fallen

80. Geburtstag: Herzlichen Glückwunsch, Michail Gorbatschow!


Im September 1992 besuchte Michail Gorbatschow mit seiner Frau Raissa auf Einladung des damaligen Wirtschaftsministers Jürgen W. Möllemann Münster. Auf dem Bild steigt er unter großem Publikumsinteresse in Gievenbeck in der Nähe von Möllemanns Privathaus ins Auto. Foto:
Im September 1992 besuchte Michail Gorbatschow mit seiner Frau Raissa auf Einladung des damaligen Wirtschaftsministers Jürgen W. Möllemann Münster. Auf dem Bild steigt er unter großem Publikumsinteresse in Gievenbeck in der Nähe von Möllemanns Privathaus ins Auto. Foto:
(Presseamt Stadt Münster)


Münster - Münster ist in der Erinnerung von Michail Gorbatschow kein gutes Pflaster. Nie wieder wollte er den Fuß in die Stadt setzen, in der seine Frau am 20. September 1999 gestorben ist. Die Ärzte der Uniklinik, in die er so viele Hoffnungen gesetzt hatte, konnten der leukämiekranken Raissa Gorbatschowa damals nicht mehr helfen.

Heute wird Gorbatschow, von den Deutschen als Überwinder des Ost-West-Konflikts und Architekt der Deutschen Einheit gefeiert, 80 Jahre alt. Und die Universität Münster kann damit einem ihrer Ehrendoktoren gratulieren.


Dass Gorbatschow die Auszeichnung der Rechtswissenschaftlichen Fakultät am 8. Juli 2005 annahm, wurde an der Uni als kleines Wunder gefeiert. Nach Münster kam der Ex-Präsident aber nicht - die damalige Dekanin der Fakultät und jetzige Rektorin Ursula Nelles verlieh ihm die Ehrendoktorwürde bei einer Veranstaltung des Petersburger Dialogs auf dem Bonner Petersberg.

Michail Gorbatschow wurde dabei überraschend persönlich, bedankte sich für das Mitgefühl, das ihm die Münsteraner entgegenbrachten, als seine todkranke Frau im Uniklinikum behandelt wurde: „Damals habe ich erfahren, was die Deutschen ausmacht, wie viel Wärme sie für andere empfinden.“

Er werde, so versprach er damals Ursula Nelles und herzte die heutige Rektorin, an die Universität Münster kommen und sich mit einem Vortrag für die Auszeichnung bedanken.

Dass es bisher nicht dazu gekommen ist, nimmt ihm niemand übel - Gorbatschow ist nach wie vor viel beschäftigt. Und vielleicht ist der Besuch am Ort, an dem er von Raissa Abschied nehmen musste, immer noch zu viel für ihn.

Acht Wochen verbrachte Gorbatschow im Sommer 1999 in Münster, wohnte im Mövenpick-Hotel, während seine Frau im Uniklinikum vom Leukämie-Spezialisten Prof. Thomas Büchner behandelt wurde.

Seine erste Begegnung mit Münster war dabei sehr freudig verlaufen: 22. September 1992, der damalige Wirtschaftsminister der Bundesregierung, Jürgen Möllemann, hatte die Gorbatschows zu einem Besuch in die Stadt und zu sich nach Hause eingeladen. Auf dem Balkon des Stadtweinhauses grüßte Gorbatschow Zigtausende Münsteraner, die ihm begeistert zujubelten.

Den Kontakt der Münsteraner hat Gorbatschow sieben Jahre später in seinen schweren Wochen vor Raissas Tod nicht mehr gesucht, sehr selten sahen die Münsteraner „Gorbi“ am Aasee spazieren, er war fast immer bei Raissa am Krankenbett.

Den Journalisten ging er weitgehend aus dem Weg, einmal gab er den Westfälischen Nachrichten in seinem Hotelzimmer ein Interview. Keine Fragen über seine Rolle als Politiker waren zugelassen, er wollte nur über seine Frau reden.

Als Raissa Gorbatschowa auf der Intensivstation des Uniklinikums starb, waren ihr Mann und die gemeinsame Tochter Irina bei ihr.

In ihrer Nähe bei Moskau lebt Michail Gorbatschow heute.

VON KARIN VÖLKER, MÜNSTER


02 · 03 · 11





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