Interview

„Wir sind keine Zahlväter“


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Münster - Tilmann Spieker ist der Leiter des Vereins „Väteraufbruch für Kinder“ (VAFK) in Münster. Regelmäßig organisiert er Treffen und Gesprächsrunden für Väter, die ihre Kinder aufgrund einer Trennung nur eingeschränkt sehen dürfen. Mit Meike Lorenzen sprach er über die Angebote des Vereins und gibt betroffenen Männern Verhaltens-Tipps.

Wann wurde „Väteraufbruch für Kinder“ gegründet?


Tilmann Spieker: Der Kreisverein Münster besteht seit 1998. Der Bundesverein wurde 1988 gegründet, als in Folge der Scheidungsrechtsreform immer mehr Väter zu „Zahlvätern“ degradiert wurden, denen nahezu alle Rechte im Umgang mit ihren Kindern verwehrt werden konnten. Inzwischen wird durch die hohe Zahl der von ihren Vätern getrennt lebenden Kindern und deren seelischen Nöte deutlich, dass den Vätern eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der Kinder zukommt. Anliegen des VAFK ist es, die Väterrechte zum Wohle der Kinder zu stärken.

Mit welchen Sorgen kommen die Väter zu den Treffen?

Spieker: Väter, die uns aufsuchen, machen sich große Sorgen um ihre Kinder. Entsorgte Väter erfahren, dass sie kaum Möglichkeiten haben, auf die Entwicklung ihrer eigenen Kinder einen positiven Einfluss zu nehmen. Dieses über viele Jahre andauernde Gefühl der Ohnmacht kann die Betroffenen in depressive Stimmung versetzen und sie gesundheitlich beeinträchtigen. Oftmals werden diese Väter auch mit - vielfach erwiesenermaßen ungerechtfertigten - Vorwürfen des Stalkings, der Gewalttätigkeit und des sexuellen Missbrauchs an den Kindern konfrontiert, die in kürzester Zeit zu einer konkreten beruflichen und gesellschaftlichen Existenzvernichtung führen.

Was würden Sie einem Vater raten, der seine Kinder nur noch selten oder gar nicht mehr sehen darf?

Spieker: Viele Väter nehmen große finanzielle, zeitliche und emotionale Opfer auf sich, um möglichst häufig für ihre Kinder da zu sein. Wir ermutigen sie, diesen Kontakt nicht abreißen zu lassen. Wir empfehlen den Vätern auch, die Kommunikation mit der Kindesmutter zu erhalten und zu versuchen, unaufgeregt positiven Einfluss zu nehmen. Wer als Vater konstruktiv und regelmäßig Gesprächsbereitschaft mit Kindesmutter und Jugendamt zeigt, sollte nicht aus dem Leben seiner Kinder ausgegrenzt werden können.

Was bietet der Verein neben den Gesprächsrunden an?

Spieker: Mitglieder des Vereins begleiten bei Gesprächen im Jugendamt und fungieren als Beistand in Familiengerichtsverfahren. Außerdem stehen wir als Umgangsbegleiter zur Verfügung. Wir helfen bei der Abfassung von Schriftsätzen und Stellungnahmen für Jugendamt und Gericht. Eine Rechtsberatung findet jedoch nicht statt. Stattdessen werden Adressen von Rechtsanwaltskanzleien vermittelt, die sich positiv im Sinne des Kindeswohls engagiert haben. Ebenso leiten wir Kontakte zu freiberuflichen Psychologen und Gutachtern weiter. Für Väter, die von ihren Kindern räumlich weit getrennt sind, bietet der Verein unter dem Motto „Betten für Väter“ eine Übernachtungsmöglichkeit bei einem Vereinsmitglied an, die idealerweise auch Räumlichkeiten für das Kind zum Spielen beinhaltet.

Gibt es regelmäßige Veranstaltungen?

Spieker: Als Verein der Freien Jugendhilfe veranstalten wir neben den monatlichen Gesprächstreffen etwa alle zwei Monate sonntags ab 10 Uhr ein gemeinsames Frühstück für Väter, Kinder, Mütter und Großeltern mit der Möglichkeit, im ABI-Südpark ein paar unbeschwerte Stunden bei Essen und Spielen zu verbringen. An Christi Himmelfahrt findet jedes Jahr eine mehrtägige Kanu-Freizeit statt. An dem Kurzurlaub können etwa 25 Personen kostengünstig teilnehmen.

Sind die Angebote kostenpflichtig?

Spieker: Als steuerbegünstigter gemeinnütziger Verein ist der „Väteraufbruch für Kinder“ zur Finanzierung der Vereinsaktivitäten auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen. Die Vollmitgliedschaft beträgt 55 Euro pro Jahr. Spenden sind jederzeit und in jeder Höhe willkommen. Grundsätzlich sind die Angebote für Ratsuchende zunächst kostenlos. Bei längerfristiger Beanspruchung der Vereinsleistungen scheint uns ein Beitritt zum Verein wünschenswert.



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