Rheine. Fernduell in Sachen Bundeswehrstandort: Die Kreise Steinfurt und Wittenberg in Ostdeutschland schießen sich offenbar aufeinander ein. Jetzt zeichnet sich ein verbaler Schlagabtausch über die Medien ab.
Auslöser für den „Knatsch“ der Landkreise ist Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Der hatte im Oktober 2011 beschlossen, den Heeresfliegerstandort in Rheine aufzulösen und die CH-53-Transporthubschrauber nach Holzdorf-Schönewalde zu verlegen. Rheine und die Region machen dagegen mobil. Der Kreis Wittenberg fürchtet jetzt um die millionenschwere Strukturförderung in Sachen Bundeswehr und bläst zur Gegenoffensive.
Immerhin - der Widerstand des Münsterlandes gegen den Abzug der Hubschrauber wird allmählich auch außerhalb Westfalens wahrgenommen. Die bis zu 1500 „Kämpfer für die Rheiner Heeresflieger“, die am Montagabend in die Rheiner Stadthalle gekommen sind - beziehungsweise aufgrund von Platzmangel vor den Türen draußen ausharren mussten - finden jetzt auch außerhalb Westfalens Gehör.
Nach einem Bericht von „mz-web.de“, der Online-Ausgabe der Mitteldeutschen Zeitung im Kreis Wittenberg, werfen Verwaltung und Politik im Kreis Wittenberg dem Steinfurter Kreisdirektor Martin Sommer „billigen Populismus“ vor, weil er am Montag in der Rheiner Stadthalle die Standortattraktivität in Holzdorf-Schönenwalde abgewertet haben soll.
Weiter heißt es in dem Bericht von „web-mz.de“, dass der Strukturentscheidung des Verteidigungsministeriums eine „gründliche Standortanalyse vorausgegangen“ sei.
Genau das wird am Standort Rheine bezweifelt. Bislang hat das Verteidigungsministerium auch keine „nachvollziehbaren und belastbaren“ Argumente vorgelegt, die auf eine „gründliche Analyse“ schließen lassen. „Wir haben den Standort Rheine-Bentlage nach den Kriterien abgeklopft, die Minister de Maizière für sich als Orientierungspunkte für die Standortentscheidungen vorgegeben hatte - also Funktionalität, Kosten, Attraktivität und Präsenz des Standortes. Dabei kommen wir zu dem Ergebnis, dass Rheine im Vergleich zu Laupheim und Holzdorf die Nase vorne hat“, sagt Sommer.
Selbst der Vorwurf der Steuerverschwendung in Höhe von bisher weit mehr als 100 Millionen Euro bleibt bislang unwidersprochen. Kein Wort dazu von Generalleutnant Norbert Finster, der am Montagabend als Vertreter von Verteidigungsminister de Maizière an der Protestveranstaltung in Rheine teilgenommen hatte. Im Gegenteil: Der General war auf Anfrage von Herein.tv, Rheines Fernsehen im Web, nicht in der Lage, die genauen Kosten für den Fähigkeitstransfer zu quantifizieren.