Einsturzgefährdete Osmo-Hallen

Der Hafen wird zur Sackgasse


Die Osmo-Hallen am Hafen sind von der Stadt wegen Einsturzgefahr am 26. Januar gesperrt worden.
Die Osmo-Hallen am Hafen sind von der Stadt wegen Einsturzgefahr am 26. Januar gesperrt worden.
(Foto: Matthias Tonhäuser)


Münster - Marvin Hinz fiel aus allen Wolken. Der Schüler des Hansa-Berufskollegs hatte sein Auto wie jeden Morgen in den Osmo-Hallen geparkt. Als er zurückkam, stand er plötzlich vor einem Gitterzaun. Der verdutzte junge Mann musste eine der angegebenen Handy-Nummern wählen, um wieder an seinen Wagen zu kommen.

Mitarbeiter der Stadtwerke riegeln am Freitag die alten Industriehallen am Hafen ab. „Durchfahrt gesperrt“ steht auf den frisch montierten Schildern. Niemand kann mehr über den Hafenweg durch die Hallen fahren, nicht einmal mehr laufen. Die beliebte Querverbindung zwischen Albersloher Weg und Schillerstraße ist plötzlich eine Sackgasse. Auch der Kanalseitenweg, der Fußweg entlang der Wasserkante zwischen „Heaven“ und „Wolters“, ist dicht.


Und das aus gutem Grund, wenn man der Ingenieursgesellschaft Thomas & Bökamp glauben darf. Das gestern präsentierte Gutachten stellt fest, dass weite Teile der von Feuchtigkeit und Pilzbefall durchsetzten Hallen nicht mehr standsicher, sogar akut einsturzgefährdet seien. So gebe es erhebliche Rissbildungen an tragenden Knotenpunkten. Zudem bestehe die Gefahr, dass marode Einzelteile der Dachkonstruktion herabstürzen könnten.

Ein wesentlicher Grund seien die Schneemassen im vergangenen Winter gewesen, Es seien Risse entstanden. Nach der Expertise gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder werde knapp ein Dutzend der Hallen abgerissen oder für einen Millionenaufwand saniert, was teils gar nicht mehr möglich sei. „Hier geht es nicht um Standsicherheit, sondern um die Sicherheit der Menschen. Und die ist nicht verhandelbar“, sagte Heinrich Bökamp.

Das Gutachten war von Rainer M. Kresing und Andreas Deilmann in Auftrag gegeben worden. Sie haben die Hallen nördlich des Hafenwegs erworben, um dort Wohnbebauung zu realisieren. Vom Ergebnis des Gutachtens sind sie überrascht. Vor allem auch, weil es das Aus für die Großveranstaltungen in den Osmo-Hallen bedeutet. „Die hätten wir mit Blick auf die Mieteinnahmen gerne weiter durchgeführt“, sagt Andreas Deilmann.

Auch Michael Mönig, der Insolvenzverwalter der südlich des Hafenwegs gelegenen Hallen, kalkuliert mit diesen Einnahmen. Vom Gutachten „in der krassen Ausführung“ zeigte er sich „geschockt“. Kontinuierlich habe man Kontrollen durchgeführt und auch investiert. Ein so ausführliches Gutachten wie jetzt habe es bislang nicht gegeben.
 

VON RALF REPÖHLER, MÜNSTER


27 · 01 · 12



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