Münster - Mit seinen in großem Stil angelegten Betrügereien hat der frühere Bundesschatzmeister der rechtsradikalen NPD, Erwin Kemna aus Lengerich, umfangreiche Ermittlungen der münsterischen Staatsanwaltschaft ausgelöst, die nun auch die Parteispitze erreicht haben.
„Ja, wir ermitteln jetzt auch gegen den Parteivorsitzenden Udo Voigt,“ bestätigte am Mittwoch der münsterische Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer auf Nachfrage. Voigt wird verdächtigt, daran beteiligt gewesen zu sein oder zumindest davon gewusst zu haben, dass seine Partei der Bundestagsverwaltung in Berlin gefälschte Rechenschaftsberichte vorgelegt und damit gegen das Parteiengesetz verstoßen haben soll.
Verantwortlich für die Manipulationen soll Erwin Kemna sein. Seit Dezember sitzt der Lengericher eine Gefängnisstraße ab. Das Landgericht in Münster hatte ihn im September wegen Betruges zu zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Wie berichtet hatte der 57-Jährige, dessen Küchenstudio pleiteging, seine Partei um mehr als 800.000 Euro betrogen.
Er hatte in über 80 Fällen Parteigelder auf private Konten umgeleitet und im Namen seiner Partei Darlehen aufgenommen, deren Raten er mit Geldern aus der Parteikasse bezahlte.
Im November hatten Ermittler die Parteizentrale in Berlin durchsucht. Dem Ex-Schatzmeister, zwei Wirtschaftsprüfern und jetzt dem Parteichef wird neben der Manipulation der Rechenschaftsberichte vorgeworfen, Parteigelder in einen der NPD nahestehenden Verlag geschleust und als „eine Art schwarze Kasse“ verborgen gehalten zu haben, sagte Schweer. Udo Voigt war durch die Auswertung der bei der Durchsuchung konfiszierten Unterlagen ins Visier der Ermittler geraten.