Medizinischer Brennpunkt NRW?


„Die nordrhein-westfälischen Ärzte sind die Verlierer der Reform“, sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann gestern im Landtag.Foto:
„Die nordrhein-westfälischen Ärzte sind die Verlierer der Reform“, sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann gestern im Landtag.Foto:
(dpa)


Düsseldorf/Münster - Für Karl-Josef Laumann ist klar: „Die am schlechtesten bezahlten Ärzte kommen aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.“ Eine Einschätzung, die der Landes-Gesundheitsminister Donnerstag in einer aktuellen Stunde des Landtages auch mit Auswirkungen der seit Januar geltenden Reform der Arzthonorare begründete.

„Diese Reform benachteiligt unsere Mediziner auf geradezu groteske Art und Weise. Deswegen fordern wir eine Neuverteilung des 20-Milliarden-Euro-Topfes“ , fügte der CDU-Politiker hinzu. Sowohl Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) als auch die Selbstverwaltung der Kassenärzte müssten einsehen, „dass ihre Beschlüsse falsch waren“. Sollte es bei der jetzigen Rechtslage bleiben, werde „Nordrhein-Westfalen zum Brennpunkt der medizinischen Versorgung“ in Deutschland. Schon jetzt sei die Abwanderung heimischer Ärzte nach Süddeutschland besorgniserregend. Viele Krankenhäuser hätten bereits erhebliche Probleme, den ordnungsgemäßen Betrieb aufrechtzuerhalten.


Harte Worte - doch Laumann erhielt gam Donnerstag Beifall für seine Worte nicht nur im Regierungslager. „Es ist mehr Geld im System. Aber es wird nicht gerecht verteilt“, sagte die Vizefraktionschefin der Grünen, Barbara Steffens. „Unsere Ärzte erhalten weniger Geld als ihre Kollegen in anderen Bundesländern. Das kann nicht sein.“ Auch der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Stefan Romberg aus Drensteinfurt, beklagte, dass viele Ärzte in NRW zu den Verlierern der Reform zählten. „Allein in Westfalen müssen 4800 Hausarztpraxen Verluste in Höhe von 20 Prozent verkraften.“ Dies könne langfristig zur Gefahr für die flächendeckende medizinische Versorgung gerade in ländlichen Regionen wie dem Münsterland führen.

Verantwortlich für das Desaster ist nach Laumanns Ansicht aber nicht nur die große Koalition. „Bei den Verhandlungen in Berlin haben die ärztlichen Vertreter kein Ruhmesblatt erzielt.“ Die Kassenärztlichen Vereinigungen aus dem Rheinland und aus Westfalen hätten dort unterschiedliche Interessen vertreten und sich am Ende gegeneinander ausspielen lassen. „Deswegen muss man auch mal die Frage nach den Strukturen stellen“, sagte Laumann. Laumann forderte alle Fraktionen und ärztlichen Vereinigungen zu einem Bündnis für Nordrhein-Westfalen auf, um die Interessen des Landes in Berlin zu vertreten.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte kürzlich gefordert, die Kassenärztlichen Vereinigungen abzuschaffen und ihnen vorgeworfen, „auf Kosten der Patienten ihre Pfründe zu sichern“. Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht sprach von einem „Haifischbecken“ unter den Ärztefunktionären. Er forderte Laumann auf, gegen rechtswidrige Proteste von Ärzten einzuschreiten. „Von Kassenpatienten Vorkasse zu verlangen, ist nicht gerechtfertigt.“ In Zeiten, in denen viele Bürger sparen müssten, seien „Forderungen maßlos“.

VON FRANK POLKE, MÜNSTER


19 · 03 · 09



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