Für Wittke wird die Luft dünner


Ex-Bauminister Oliver Wittke steht in der Kritik der Opposition, doch auch in der CDU grummelt es. Foto:
Ex-Bauminister Oliver Wittke steht in der Kritik der Opposition, doch auch in der CDU grummelt es. Foto:
(dpa)


Düsseldorf - Der frühere NRW-Bauminister Oliver Wittke gerät wegen seiner neuen Tätigkeit als Geschäftsführer eines Baukonzerns zunehmend ins politische Kreuzfeuer. SPD und Grünen forderten den CDU-Politiker Wittke auf, sein Landtagsmandat sofort niederzulegen. CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers sah sich derweil nicht in der Lage, seinem Partei-Stellvertreter die Absolution zu erteilen. „Ich hatte keine Zeit, weitere Informationen einzuholen“, blieb Rüttgers vage.

Für Oliver Wittke wird die Luft in der Politik offenbar dünner. Zwar hält CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst Wittkes Doppel-Belastung als Bau-Geschäftsführer und wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion für „völlig in Ordnung“. In der NRW-CDU grummelt es aber gewaltig. Parteileute wollen wissen, dass Wittkes neuer Job schon vor dem letzten Landesparteitag klar war. Dort hatte sich der CDU-Bezirkschef Ruhrgebiet wieder zum Landesvize wählen lassen - ohne Hinweis auf eine neue Manager-Karriere.


In Reihen der CDU-Fraktionsführung wird betont, dass der 42-jährige Wittke den neuen Job bei der Dinslakener Baufirma Hellmich vor allem aus Gründen seiner Altersversorgung ausübe. Als NRW-Abgeordneter erhält Wittke monatlich 9756 Euro brutto - davon 1500 Euro für die Pension.

CDU-General Hendrick Wüst hält es für richtig, dass ein Abgeordneter einen „Fuß im Beruf“ hat. Dagegen kritisiert SPD-Fraktionsvize Ralf Jäger, Wittke wolle sich gleichzeitig vom Steuerzahler bezahlen lassen und einen Vollzeitjob bei einem Baukonzern ausüben. Wittke nutze sein Wissen und die Kontakte als Ex-Bauminister. „Das stinkt zum Himmel“, sagte Jäger gestern.

Für die Firma Hellmich soll der studierte Geograf Wittke den Bau von Stadien in Algerien betreuen. Bauunternehmer Hellmich ist Präsident des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg. SPD-Generalsekretär Michael Groschek forderte von Wittke einen klaren Trennstrich.

Für Rumoren in der CDU hatte Wittkes Hinweis gesorgt, er habe nach dem Ende des 16-Stunden-Jobs als Minister in seiner Zeit als einfacher Abgeordneter „gekocht, gewaschen, im Garten gearbeitet“. Er habe als Minister 200 Prozent gegeben, „also kann ich zwei Jobs zu 100 Prozent erledigen“. Einzelne CDU-Abgeordnete sahen sich dadurch öffentlich als Halbtags-Jobber verunglimpft.

Noch sieht CDU-Chef Rüttgers „keinen Grund, dazu etwas zu sagen“. SolidaritätsAdressen sehen anders aus. Schon vor der Bau-Karriere war der forsche Wittke bei Rüttgers nicht immer wohlgelitten - die Parteifreundschaft hat sich weiter eingetrübt. Rüttgers ließ sich auf Nachfrage nur zur Bemerkung verleiten, dass „auch ein stellvertretender CDU-Landesvorsitzender einen Beruf haben kann“.

VON WILFRIED GOEBELS, DÜSSELDORF


02 · 06 · 09



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