Dieser dramatische Polit-Krimi lässt eine große Verliererin zurück: Angela Merkel. Das eigene politische Lager hat die Wahl Christian Wulffs zum neuen Bundespräsidenten taktisch umgewidmet in eine bedrückende Abstimmung über die konfuse und zerstrittene schwarz-gelbe Regierungspolitik. Jürgen Rüttgers musste in NRW für dieses Berliner Bühnenstück einen hohen Preis zahlen, am Mittwoch schickte der Frust über das schlechte Erscheinungsbild den eigenen Kandidaten Wulff durch das Feuer dreier Wahlgänge. Eine Denkzettelwahl, eine Demütigung für die Kanzlerin, ein kleines Debakel für die Koalition.
Dabei hatte die simple mathematische Grundrechenart der Addition den Tag mit viel Zuversicht beginnen lassen. Mit stattlicher Mehrheit ging das Merkel-Seehofer-Westerwelle-Bündnis in die erste Abstimmung; am Ende verweigerten sage und schreibe 44 Männer und Frauen dem eigenen Kandidaten die Gefolgschaft. Eine schallende Ohrfeige, eine Blamage. Diese Verweigerungshaltung dürfte kaum auf eine von der Fraktionsdisziplin abweichende freie Gewissensentscheidung für den Kandidaten Joachim Gauck zurückzuführen, sondern dem Frust über die schwarz-gelben Politikversuche zuzuschreiben sein. Eine Misstrauensbekundung, die über den Wahltag hinaus nachwirken wird. Eine reibungslose Wahl Wulffs sollte das taumelnde Bündnis eigentlich stabilisieren, das Gegenteil ist nun der Fall. Die vielzählig produzierten beschwichtigenden Worthülsen ändern an dieser Tatsache nichts.







