Düsseldorf - Jetzt wird spekuliert. Wer hat in Nordrhein-Westfalen künftig das Sagen? Wer gehört dem neuen Kabinett unter Hannelore Kraft an? Die künftige Regierungschefin hält sich bedeckt. Erst wenn sie tatsächlich am Mittwoch zur ersten Ministerpräsidentin des Landes gewählt worden ist, will sie ihre Mannschaft bekannt geben.
Offenbar will sie nicht riskieren, dass enttäuschte Parteifreunde bei der Abstimmung ausscheren. SPD und Grüne haben zusammen 90 der insgesamt 181 Sitze im Landtag. Im zweiten Wahlgang schon reicht die einfache Mehrheit.
Es wird getuschelt im Landtag, Namen werden ins Spiel gebracht - und wieder verworfen. Insider bezweifeln, dass Politiker aus Berlin für einen Risikoposten in der Minderheitsregierung gewonnen werden können. Alles kein Problem, winkt Kraft ab. „Ich habe mehr als genug gute Leute“, sagt sie, nachdem sie sich mit einem lockeren „Stör´ich?“ zu einem kleinen Kreis von Journalisten gesellt. Namen? Schweigendes Lächeln. Dass der DGB-Vorsitzende in NRW, Guntram Schneider, als Minister für Arbeit und Integration gesetzt ist, daraus macht sie keinen Hehl.
Als gesichert gelten die Namen der von den Grünen besetzten Ressorts: Sylvia Löhrmann gibt ihr Amts als Fraktionsvorsitzende an Reiner Priggen ab und wird Ministerin für Schule und Weiterbildung. Johannes Remmel soll das Ressort für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz führen. Barbara Steffens würde Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter.
In die Personalliste für die sieben SPD-Ressorts lässt Kraft sich nicht blicken. Auch nicht von der „Bild“-Zeitung, die gestern ein Kabinett präsentierte. Sechs Fehler findet Kraft in der Aufstellung, die korrekt die drei Grünen-Posten enthält. Schade, meinen Beobachter, die etwa den Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Werner Gatzer gerne am Rhein gesehen hätten.
Zu den bekannten Namen kommen überraschende. Ursula Nelles zum Beispiel. Die Rektorin der Universität Münster, mit der Kraft intensiven Kontakt pflegt, ist SPD-Mitglied und wird als Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung gehandelt. In Universitätskreise hält man das allerdings für unwahrscheinlich: Zu reizvoll und bedeutend seien ihre Aufgaben jetzt, zu unsicher der Job in Düsseldorf. Im Rektorat heißt es: „Das kommentieren wir nicht.“
Dass Ute Schäfer wieder Ministerin wird, ist wahrscheinlich. Hoch im Kurs steht auch Norbert Walter-Borjans, früher Regierungssprecher unter Johannes Rau, heute Wirtschaftsdezernent und Kämmerer von Köln. Der Sozialdemokrat könnte sowohl das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr oder das Finanzressort steuern als auch als Chef der Staatskanzlei die Regierungsgeschäfte koordinieren.