Röttgen spielt seine Trümpfe aus


Stellt sich den Fragen der Journalisten: Norbert Röttgen in der nordrhein-westfälischen CDU-Geschäftsstelle in Düsseldorf.Foto:
Stellt sich den Fragen der Journalisten: Norbert Röttgen in der nordrhein-westfälischen CDU-Geschäftsstelle in Düsseldorf.Foto:
(dpa)


Düsseldorf - Wohlgewählte Worte, ein fein gezeichnetes Profil und eine klare Mission: Norbert Röttgen spielt seine Trümpfe aus. Denn trotz unfreundlicher Umfrageergebnisse kennt er seine Vorteile für die nordrhein-westfälische CDU: Er hat ausreichend Distanz zum derzeitigen Landesvorsitzenden Jürgen Rüttgers, um dessen Nachfolge er sich bewirbt. Und er setzt - im Zweikampf mit dem Vize-Fraktionschef im Landtag Armin Laschet - auf die bundespolitische Karte. Geschickt münzt er die Bundespolitik, die seine Gegner in NRW als zu große Distanz kritisieren, in eine Frage des Horizonts um.

Als Bundesumweltminister lege er in der aktuellen Energie-Debatte den Kurs für die nächsten Jahrzehnte fest. Davor als Finanzmarktexperte habe er sich intensiv mit Folgen und Risiken der Globalisierung beschäftigt. Klimaschutz, Ressourceneffizienz, wirtschaftliche Modernisierung - alles sind für Röttgen wichtige Zukunftsfragen. Hier gehe es um die Weichenstellung „zwischen kurzfristigen Interessen und langfristiger Verantwortung“, zeichnet Röttgen die große Linie. Und sagt dabei Sätze wie: „Die Fragen nach Wachstum und Wohlstand können wir nicht mehr mit den Mustern der Vergangenheit beantworten.“ Darum müsse die Wirtschaft der Zukunft anders mit Ressourcen umgehen. „Wir müssen heute Politik mit den Augen der Kinder machen.“ Darum sei auch eine „Re-Ideologisierung“ der Schulpolitik, wie sie Rot-Grün jetzt betreibe, der falsche Weg.


Der 45-Jährige Rheinländer positioniert sich damit als jemand, der für die NRW-CDU Landespolitik gestalten will - und über den Tellerrand sieht. Denn die sei ohnehin nicht wirklich von Bundespolitik zu trennen. Nur wenige Worte findet er zu seinem Gegenkandidaten, der sich als Integrationsminister einen sehr guten Ruf erarbeitet habe. Der Unterschied: Laschets Themen seien vor allem gesellschaftspolitisch, sein Schwerpunkt sei wirtschaftspolitisch ausgerichtet. „Die Mitglieder müssen entscheiden, welche Inhalte sie sehen wollen.“

Röttgen will den größten CDU-Landesverband „als Ort von Diskussionen wieder herstellen“. Das sei „lebensnotwendig, wenn die Partei auf der Höhe der Zeit bleiben wollen“. Denn auch die CDU habe keine Garantie darauf, Volkspartei zu bleiben. Röttgen will sich, wenn er Landesvorsitzender würde, für diese „Diskussionsoffenheit“ einsetzen, die auch ein Thema für die Bundespartei sei. Womit er sich aber nicht schon für den stellvertretenden Bundesvorsitz der CDU platziert haben will. Darüber müsse der Landesvorstand reden.

Dass er aber Bundes- gegen Landespolitik tauschen würde, betont der Bundesumweltminister nachdrücklich. Sollte er als Spitzenkandidat bei einer Landtagswahl scheitern - er würde als Oppositionsführer bleiben.

Diese Rolle spielt jetzt Fraktionschef Karl-Josef Laumann, der sich hinter Laschets Kandidatur gestellt und für eine Landeslösung geworben hatte. Trotzdem: Röttgen ist sich sicher, dass beide „exzellent zusammenarbeiten“ können. Wenn er gewählt wird. Falls die Mitgliederbefragung - und sei es nur knapp - gegen ihn ausfällt: Röttgen will es respektieren.



18 · 08 · 10



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