Gesamtschulen im Aufwind

Neue Konkurrenz

Die Gründe für das Jahr für Jahr steigende Interesse an der Gesamtschule sind zweifellos vielfältig. Das zumeist vorhandene Ganztagsangebot ist für berufstätige Eltern ein Anreiz - da hinken vor allem Gymnasien und Realschulen noch hinterher. Außerdem bieten viele Gesamtschulen weiterhin das Abitur nach 13 Schuljahren („G 9“) an - nach den intensiven Diskussionen über den Leistungsdruck und die langen Schultage im „G 8“ eine attraktive Alternative für Eltern, die ihren Nachwuchs nicht so intensiv belasten wollen.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Hoffnung vieler Eltern, dass auf der Gesamtschule die Festlegung auf den möglichen Schulabschluss viel später erfolgt als im dreigliedrigen Schulsystem sonst üblich. Und dass dem Kind, falls es nicht das höchste Leistungsniveau erfüllt, die Demotivation durch die „Abschulung“ auf eine Real- oder Hauptschule erspart bleibt. All diese Gründe sind verständlich und nachvollziehbar.


Doch sollte nicht verkannt werden, dass durch die Aufteilung nach leistungsorientierten Kursen auch in einer Gesamtschule nur bedingt gemeinsames Lernen stattfindet. Die Schulen sind sich dieses Mankos im Übrigen bewusst und denken über den Verzicht auf diese Differenzierung nach. Damit nähern sie sich dem Konzept der Gemeinschaftsschule an. Das wird, wenn es von Rot-Grün konsequent eingeführt wird, auf mittlere Sicht die Gesamtschule deshalb viel mehr in Frage stellen als die Konkurrenz im bisherigen dreigliedrigen System.

VON DORLE NEUMANN


02 · 09 · 10



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