Spion

Spione nehmen Firmen ins Visier

Münster - Mit den Exporterfolgen wächst die Gefahr, die Spionage-Gefahr - und die kommt vor allem aus dem Osten. „Der chinesische und der russische Geheimdienst spähen für die Unternehmen ihrer jeweiligen Länder auch die deutschen Mittelständler aus“, weiß Reinhard Vesper vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen.

„Gerade die zahlreichen erfolgreichen Unternehmen in Nord-Westfalen, die sich in ihren speziellen Nischen zu internationalen Markt- und Technologieführern entwickelt haben, laufen Gefahr, Opfer zielgerichteter Wirtschaftsspionage zu werden“, betonte am Donnerstag Prof. Dr. Bodo Risch, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, in Münster.


Vesper mahnte deshalb zur Wachsamkeit: „Das Problembewusstsein ist im Mittelstand noch nicht sonderlich ausgeprägt.“ Genaue Zahlen zum Schaden der Wirtschaftsspionage, die staatlich gelenkt oder gestützt wird, gebe es nicht, betonte der Verfassungsschützer. Für ganz Deutschland gingen die Schätzungen des jährlichen Schadens bis 50 Mrd. . „Hinzu kommt die Konkurrenzausspähung direkt zwischen Unternehmen“, so Vesper.

Jedes zweite bis dritte Unternehmen ist Untersuchungen zufolge schon einmal Opfer von Wirtschaftsspionage gewesen. „Doch nur wenige Firmen hängen das an die große Glocke“, weiß Risch. Verfassungsschützer Vesper warnt vor allem alle Unternehmen, die im Exportgeschäft aktiv sind. „Diese Firmen sind alle stark gefährdet.“

Die Ausspäh-Attacken sind vielfältig: Oft werde auf Dienstreisen in Länder wie Russland und China das Smartphone oder der Laptop vom Geheimdienst angezapft, weiß Vesper. Selbst gelöschte Daten könnten von den Spionageprofis meist wieder reaktiviert werden. Vesper rät deshalb für eine Geschäftsreise nagelneue Smartphones oder USB-Sticks zu kaufen, und darauf keine brisanten Informationen zu speichern.

Häufig werde in Russland oder China das Hotelzimmer durchsucht. „In China sind viele Hotels sogar im Besitz des Geheimdienstes“, malt der Verfassungsschützer ein dramatisches Bild. Indiz für Wirtschaftsspionage könne sein, wenn ein Unternehmen ohne erkennbaren Grund einen Auslandsauftrag verliere. Dann sollte sich die Geschäftsleitung sofort an die Polizei oder die Verfassungsschutz-Abteilung im NRW-Innenministerium wenden, betonte Vesper. Auch Mitarbeiter aus fernen Ländern können gefährlich sein. Vesper berichtete am Donnerstag von chinesischen Praktikanten, die in NRW für den Geheimdienst in Peking gearbeitet haben.

Hilfestellung bei der Abwehr von Spionage gibt auch die IHK: Etwa beim Außenwirtschaftstag am 21. September in Münster mit einen Workshop zu diesem Thema.

VON JÜRGEN STILLING, MÜNSTER


19 · 08 · 10





TOP ARTIKEL
Topartikel Icon


© Münsterländische Volkszeitung - Alle Rechte vorbehalten 2012

Impressum | Datenschutz | AGB | Sitemap
Media-Daten | Netiquette