Eine Schule (fast) wie jede andere

Matthias besucht eine Blindenschule. Er kann sehr schlecht sehen. Deshalb trägt er auch eine Brille mit roten Gläsern. Mit der Maschine auf dem Foto kann er schreiben.Foto:
Matthias besucht eine Blindenschule. Er kann sehr schlecht sehen. Deshalb trägt er auch eine Brille mit roten Gläsern. Mit der Maschine auf dem Foto kann er schreiben.Foto:
(dpa)


Fast berührt ihre Nasenspitze das Blatt Papier. Adina Zhält sich den Zettel mit dem Song-Text dicht vors Gesicht. Sonst würde sie nichts erkennen, sagt die Zwölfjährige. Trotz Brille. Und dann könnte sie im Musikunterricht nicht mitsingen. Adina kann sehr schlecht sehen. Genau wie ihr Klassenkamerad Matthias.

Adina und Matthias besuchen eine Schule für Blinde in Soest. Aber nicht alle Schüler hier sind ganz blind, manche können auch noch ein bisschen sehen. Adina kann auf einem Auge Hell und Dunkel unterscheiden. Auf dem anderen Auge sieht sie ganz wenig.


Adina lässt die Beine von der Tischtennisplatte baumeln und zeigt auf ein paar Bäume, die weiter weg stehen. „Die Bäume da hinten kann ich sehen, aber einen Menschen könnte ich nicht erkennen.“ Der wäre zu klein für sie.

In den Klassenräumen und auf den Fluren der Schule sieht es nicht viel anders aus als in jeder anderen Schule auch. In die Klasse von Adina und Matthias gehen aber nur sechs Kinder. In ihrem Klassenraum stehen Lesegeräte. Damit können die Kinder die Schrift aus Büchern mit einer Kamera vergrößern und am Bildschirm lesen. Und auch an den Türschildern kann man erkennen, dass man in einer Schule für blinde Kinder ist. Da steht nicht nur in normaler Schrift „Computerraum“, sondern auch in Blindenschrift.

Für die 14-jährige Marina sind diese Türschilder nicht so wichtig. Sie findet ihren Klassenraum auch so. Denn sie kennt sich in der Schule und auf dem Gelände des Internats aus. Sie bewegt sich hier sicher. „Ich laufe nach Gefühl“, sagt sie. Blindenstöcke sind in der Schule verboten. Die anderen Kinder könnten darüber stolpern.

Aber wenn sie woanders unterwegs ist, nimmt sie den langen weißen Stock mit. Dann schwingt sie mit der Spitze locker von rechts nach links und wieder zurück. Wenn Hindernisse im Weg stehen, stößt ihr Stock daran und sie merkt es rechtzeitig. Es stört Marina überhaupt nicht, wenn sie andere fragen, was das Blindsein für sie bedeutet. „Das ist voll in Ordnung“, sagt sie. Ist doch klar, dass die anderen neugierig sind.


21 · 07 · 10


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