Kinderbetreuung im Blick

Wenn Kindergärten Räder hätten

Ahaus-Alstätte - Manche Statistik wirft mehr Fragen auf, als sie Antworten anbietet. Ein solcher Fall sind die aktuellen Zahlen zur Belegungssituation in den beiden Alstätter Kindergärten: Beide haben drei Gruppen für Drei- bis Sechsjährige und eine Gruppe für Zwei- bis Sechsjährige. Beide Einrichtungen haben 95 Plätze. Doch die Belegung ist sehr ungleich verteilt: Während 96 Kinder (davon vier unter drei Jahren) den St.-Birgitta-Kindergarten besuchen, sind es im Kindergarten St. Marien nur 72 (davon sechs unter drei Jahren). In St. Marien sind also 23 Plätze frei, während Birgitta ein Kind mehr aufgenommen hat, als Plätze vorhanden sind (sogenannter Überhangplatz).

Könnte man da nicht ein paar Kinder vom einen in den anderen Kindergarten verlegen, zumal beide in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde sind? Kann man nicht! Denn die örtliche Versorgung mit Kindergarten- und Tagespflegeplätzen ist ein sehr dynamisches Unterfangen, weiß Wilfried Hollekamp, stellvertretender Jugendamtsleiter der Stadt Ahaus. „Eigentlich müssten Kindergärten Räder haben“, sagt er. Denn wenn zum Beispiel rund um einen Kindergarten neu gebaut wird, steigt dort die Nachfrage kurzfristig an, während sie da nachlässt, wo der Nachwuchs aus dem Kindergartenalter raus wächst. Genau diese Situation spiegelt sich zurzeit bei den beiden Einrichtungen in Alstätte - eine im Zentrum, eine im Süden des Dorfs - wider.


Auch die Wünsche der Eltern und die Auflagen für die verschiedenen Angebote müssen bei der Planung berücksichtigt werden. Seit es das Kibiz gilt, können Eltern zum Beispiel wählen, ob ihr Kind 25, 35 oder 45 Stunden pro Woche betreut werden soll, und für Kinder unter drei Jahren müssen besondere Räume in der Kita vorhanden sein. Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, sei das Jugendamt mit den Trägern der Einrichtungen im Gespräch. Insbesondere auch mit der Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt Alstätte, da für beide Kindergärten Umbaumaßnahmen anstünden.

Im Blick haben die Verantwortlichen auch den 1. August 2013: Bis dahin muss die Stadt eine gesetzlich vorgeschriebene Betreuungsquote von 35 Prozent für die Kinder unter drei Jahren erreichen. - Dabei klaffen in Alstätte auch hier wieder Theorie und Praxis auseinander: Zurzeit werden nur zehn Kinder unter drei Jahren in den Kindergärten betreut. Darüber hinaus gibt es in Alstätte keine einzige Nachfrage nach U-3-Betreuung, sagt Christoph Almering, Pressesprecher der Stadt.

» Die Belegungssituation in den Tageseinrichtungen ist ein Thema, mit dem sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses in ihrer nächsten Sitzung befassen. Dazu kommen sie am 30. Januar (Montag) um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses zusammen.

VON FRANK ZIMMERMANN, GRONAU


26 · 01 · 12





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