Solche Körbe sind diese Woche in Borken aufgetaucht.
Von Peter Berger
Borken. Katzenfänger, die sich als Altkleidersammler tarnen? Dieses mulmige Gefühl beschlich diese Woche einen BZ-Leser, als er unter anderem in der Frankenstraße zahlreiche Waschkörbe vor den Häusern entdeckte, die mit einem Hinweiszettel für eine „Schuhsammlung“ beklebt waren. Auffällig: in die Körbe waren zwei untertassengroße Löcher geschnitten.
Seit zwei Katzen auf unerklärliche Weise aus der Familie verschwunden sind, ist der Borkener misstrauisch. Er verweist auf die Internetseite „haustierdiebstahl-in-deutschland.de“, in der auch vor der Waschkorb-Methode gewarnt wird. Die angeblichen Sammler, so wird dort gemutmaßt, würden die Behälter mit Lockstoffen präparieren und die Verteilung dazu nutzen, Grundstücke und Tierhalter auszuspähen. Die Fänger hätten es auf die Felle abgesehen. Oder würden die Katzen an Versuchslabore verkaufen.
Dirk Schwar, erster Vorsitzender des Tierschutzvereins Bocholt, runzelt darüber die Stirn. Sammelaktionen, die in diesem Stil aufgezogen würden, seien nicht per se verdächtig. „Wir haben da ein Auge drauf.“ Allerdings seien auch schon mal Sammeltonnen aufgetaucht, die tatsächlich zum Tierfang zweckentfremdet werden könnten. Schwar betont „könnten“. Katzen fangen, um Katzenfell zu gewinnen? Der Vereinsvorsitzende antwortet mit einer Gegenfrage: „Was meinen Sie, woraus der Kragenbesatz einer Billig-Jacke besteht?“ Dass die Tiere in Laboren enden, kann sich der Tierschützer indes nicht vorstellen. Dafür seien viele Katzen inzwischen per implantierten Chip registriert.
In Sicherheit: Kater Leo (Foto: Barnekamp)
„Das Gerücht mit der Katzenfängerei taucht immer wieder auf“, sagt Frank Rentmeister, Pressesprecher der Kreispolizei. Ein konkreter Fall sei ihm bislang aber noch nicht untergekommen.
Ebenfalls skeptisch ist die Interessengemeinschaft „Katzenfreunde gegen Katzenklau“. Auf ihrer gleichnamigen Homepage kritisiert sie „den unsauberen Umgang mit der Thematik Tierdiebstahl“. Zwar gebe es tatsächlich Tierfänger, die auf diese Weise ihren potenziellen Fang ausbaldowern würden, ein Generalverdacht lasse sich daraus nicht ableiten. Widersprüche und Irritationen trügen leider dazu bei, dass das Thema in die Ecke „urbane Legende“ oder Internet-Märchen zurückgedrängt werde. Wo dann auch Geschichten wie die vom Krokodil im Abwasserkanal oder der im Rausch entfernten und verkauften Niere zu finden sind...
Zurück zu der Sammlung diese Woche in Borken: Unter der auf dem Merkzettel angegebenen Handy-Nummer meldet sich ein Mann namens Werner Schulz. Ja, man wisse von diesen Geschichten über die Tierfängerei. Nein, da sei nichts dran. „Wir sammeln bei Tageslicht.“ Die Schuhsammlung sei „teils gewerblich, teils für den Sportverein“. Genannt wird ein Fußballclub in Duisburg. Warum die vor den Häusern abgestellten Waschkörbe nun Löcher haben, erklärt der Mann so: „Eins im Boden, damit das Wasser ablaufen kann und die Schuhe nicht nass werden, und eins an der Seite, damit die Körbe nicht geklaut werden“. Bei der jüngsten Sammlung seien ihm trotzdem 30 Körbe weggekommen.