Von Zielen, Zahlen und Kontrolle


Erläutern das System der Kennzahlen: Erste Beigeordnete Sandra Cichon und Kämmerer Jörg Eising. Foto:
Erläutern das System der Kennzahlen: Erste Beigeordnete Sandra Cichon und Kämmerer Jörg Eising. Foto:
(Markus Kampmann)


Gronau - Die städtische Pressestelle hinkt ihrem Ziel leicht hinterher: Knapp ein Dutzend Pressemitteilungen hat sie im Januar verschickt - 160 sollen es in diesem Jahr werden. So zumindest steht es im Haushaltsplan 2012. „Ein Durchschnittswert der vergangenen Jahre“, erklärt Pressesprecherin Lena Flucht die Zahl. Dergleichen Vorgaben finden sich an vielen Stellen im Etat: So dürfen Vereine und Geburtstagskinder zum Beispiel 360 repräsentative Besuche des Bürgermeisters oder seiner Stellvertreter erwarten. Und Gleichstellungsbeauftragte Edith Brefeld soll beim Frauenkulturfrühstück für mindestens 450 Besucherinnen eindecken. „Kennzahlen“ heißt dieses Instrument.

Das stammt aus der Wirtschaft und hält seit dem letzten Jahr immer stärker Einzug in den kommunalen Haushalt. In dem über 500 Seiten dicken Entwurf für 2012 finden sich inzwischen sehr detailliert strategische und operationale Ziele für den Großteil der städtischen Ämter und Aufgaben, im Jargon des Neuen Kommunalen Finanzmanagements als „Produktebereiche“ und „Produkte“ bezeichnet. Und er enthält Kennzahlen, um zu messen, inwieweit die Ziele erreicht sind.


„Sie erlangen von Jahr zu Jahr mehr Aussagekraft“, erklärt Kämmerer Jörg Eising. Immerhin ließen sich die Kennzahlen mehrerer Jahre miteinander vergleichen. Als ein Beispiel, das es schon zu Zeiten der alten Kameralistik gab, nennt Eising die Pro-Kopf-Verschuldung. Ähnliche Daten finden sich im Etatentwurf 2012 zuhauf. Etwa das Ergebnis der „Produktbereiche“ pro Einwohner: Für die Verwaltungsleitung beispielsweise musste jeder Gronauer 2009 exakt zehn Euro berappen. Im letzten Jahr waren für die Führungsspitze 8,79 Euro angesetzt, 2012 werden es voraussichtlich 9,43 Euro sein. Der Grund der erwarteten Erhöhung (unter anderem eine Stellenanhebung) wird aber nicht sofort deutlich.

„Nur mit Kennzahlen zu steuern, ist schwierig“, sagt deshalb auch Jörg Eising. Gleichwohl könnten sie dazu beitragen, mehr Transparenz in das Zahlenwerk zu bringen - und eine bessere Kon­trolle. Regelmäßige Budgetberichte mit Daten zur Leistung der unterschiedlichen Fachdienste gab es zwar auch schon früher, sagt Erste Beigeordnete Sandra Cichon - nicht aber eine so konkrete Steuerung.

Abweichungen von Soll-Zielwerten werden nun in regelmäßigen Controlling-Berichten dokumentiert. „Dann kann die Verwaltung oder die Politik gegensteuern“, erklärt der Kämmerer. Nicht zuletzt würden natürlich auch externe Stellen die Kennzahlen bei der Überprüfung nutzen - beispielsweise die Gemeindeprüfan­stalt (GPA), die neben den Gronauer Zahlen auch über Vergleichsdaten aus anderen Kommunen verfüge.

Für die GPA war der neue Kämmerer der Dinkelstadt selbst jahrelang als Prüfer tätig. In Sachen Kennzahlen-System, über das übrigens der Rat beschließen muss, sei Gronau sehr weit, weiß Eising: „Ich habe schon einige Städte gesehen, und Gronau hat hier schon eine Vorreiterrolle.“

Ob sich darüber auch die Mitarbeiter in der Verwaltung freuen? Zwar eröffne das neue System Chancen, wie Stadtpressesprecherin Lena Flucht betont. Aber Kämmerer Eising bestätigt: „Hierdurch steigt in jedem Fall auch der Druck.“

VON MARKUS KAMPMANN, GRONAU


01 · 02 · 12





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