Vor allem alte Frauen sind arm dran


Stetiger Anstieg: Die Zahl der Bezieher von Grundsicherung und die Kosten nehmen zu. Grafik: Jürgen Christ
Stetiger Anstieg: Die Zahl der Bezieher von Grundsicherung und die Kosten nehmen zu. Grafik: Jürgen Christ


-job- KREIS BORKEN. Sie sind alt oder behindert, haben nicht genug Geld, ihren Lebensunterhalt allein zu bestreiten und sind auf die Hilfe von Vater Staat angewiesen. „Grundsicherung im Alter oder bei voller Erwerbsminderung“ heißt im Verwaltungsdeutsch das, was Menschen zusteht, die weder genug Einkommen, Rente noch Vermögen haben, um über die Runden zu kommen.

2069 Männer und Frauen im Kreis Borken bekamen die staatliche Grundleistung vor sechs Jahren - Ende 2010 waren es schon fast 2900. Münsterlandweit legte die Zahl seit 2005 um 28 Prozent zu. Und: Ein Ende dieser Entwicklung, so Hans Ritter, sei vorerst nicht abzusehen. „Die nächsten fünf bis zehn Jahre geht die Entwicklung weiter“, schätzt der Abteilungsleiters Allgemeine Sozialhilfeleistungen beim Kreis Borken. Vor allem alte Frauen, die kaum eigene Rentenansprüche erwerben konnten, machten einen Großteil der Empfänger von Grundsicherung im Alter - gut 62 Prozent - aus. Viele Frauen hätten in den Nachkriegsjahren nicht gearbeitet oder waren Geringverdiener. Und bei Witwen reicht der Anspruch auf 60 Prozent der Renten des Mannes oft vorne und hinten nicht.


Nach Ritters Auskunft machten die Über-65-Jährigen Ende 2010 genau 50 Prozent der Grundsicherungsempfänger aus. Die restlichen 50 Prozent bekamen die Hilfe, weil sie dauerhaft erwerbsgemindert sind. Erwachsene Behinderte, die bei ihren Eltern wohnen, gehören beispielsweise dazu.

Rund 420 Euro bekommen die Grundsicherungsempfänger im Kreis Borken derzeit durchschnittlich pro Kopf und Monat. Mit 455 Euro am höchsten lag der Satz in Borken, mit 337 Euro am niedrigsten in Heiden. Wie viel staatlicher Zuschuss einem zusteht, hängt auch von der Höhe der Miete vor Ort ab. Neben der Miete gehören vor allem die Kosten für Essen, Kleidung, Heizung und Hausrat zu den Dingen, die die Höhe der Grundsicherung bestimmen.

Für den Kreis Borken kommen durch den Anstieg der Empfängerzahlen stetig steigende Ausgaben zu. Zwischen 2004 (7,2 Millionen Euro) und 2010 (13,5 Millionen Euro) haben sich die Ausgaben fast verdoppelt. Für 2015 rechnet man beim Kreis sogar schon mit Ausgaben in Höhe von 15,8 Millionen Euro.

Zwischen zwölf und 15 Prozent hat der Bund in den vergangenen Jahren zu den Ausgaben für Grundsicherung beigesteuert. Das sind für dieses Jahr rund 1,8 Millionen Euro. Im Rahmen der jüngsten Hartz-IV-Reform hat der Bund zwar beschlossen, die Kosten ab 2014 ganz zu übernehmen, wirklich entlastet wird der Kreis aber nicht: Im Gegenzug wurde der Kreis nämlich verpflichtet, die durch das sogenannte Bildungs- und Teilhabegesetz entstehenden Kosten zu übernehmen. Dahinter verbergen sich beispielsweise die Zuschüsse für Hartz-IV-Kinder für Sport, Kultur und Freizeit.



10 · 08 · 11





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