Zusammen mit weiteren Jugendlichen der Karl-Leisner-Jugend nahm die Schöppingerin Kristin Schulze Wasserkönig (vorne, r.) am Weltjugendtag teil. Begleiter der Gruppe war Pastor Klaus Klein-Schmeink aus Kirchhellen. Fotos: (privat)
Schöppingen - Der Weltjugendtag 2011 in Madrid (WJT) hat die ganze Welt miteinander verbunden. Auch viele Jugendliche aus dem Münsterland kamen in die spanische Metropole, um gemeinsam den Glauben zu feiern. Für die meisten ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis - auch wenn es Dinge gab, die nicht perfekt liefen. Mit dabei war auch die Schöppingerin Kristin Schulze Wasserkönig. Die 27-Jährige, die zuvor bereits an den drei Weltjugendtagen teilgenommen hatte, hat ihre Eindrücke in einem Bericht zusammengefasst, den die WN im Folgenden in Auszügen veröffentlichen:
„Der WJT 2011 in Madrid begann für mich in Kevelaer. Hier trafen sich alle Teilnehmer der Fahrt zu einem gemeinsamen Gottesdienst. Alle Teilnehmer - das waren an die 450 Jugendliche und Betreuer der Karl-Leisner- Jugend, mit denen ich nun schon zum vierten Mal unterwegs sein sollte. Die Karl-Leisner-Jugend besteht aus etwa 15 befreundeten Priestern aus dem Bistum Münster, die sich zusammengeschlossen haben und Fahrten und diverse Veranstaltungen anbieten.
Nach 24 Stunden Busfahrt erreichten wir unsere Unterkunft im heißen Spanien - eine Schule im Norden der spanischen Hauptstadt. In den folgenden Tagen bestanden die Vormittage aus dem gemeinsamen Morgengebet in der Unterkunft und den Katechesen (Predigten und anschließende Diskussion) und Gottesdiensten mit anderen Pilgern aus dem Bistum Münster. Dabei bekamen wir die Gelegenheit, Kardinal Meisner (Köln) und Bischof Genn begegnen zu dürfen. Während der Kölner Bischof mich mit seinen Antworten auf kritische Fragen nicht so überzeugen konnte, hinterließ unser Bistumsbischof einen sehr positiven Eindruck. An den Nachmittagen bestand die Möglichkeit, Madrid zu erkunden und an den zahlreichen Veranstaltungen des Weltjugendtages teilzunehmen. Aufgrund der Hitze fanden die meisten Veranstaltungen jedoch erst in den Abendstunden statt.
Am Dienstagabend gab es den offiziellen Eröffnungsgottesdienst mit dem Kardinal von Madrid. Am Donnerstag traf schließlich der Papst selbst in Madrid ein. Hier zeigte sich zum ersten Mal, dass viel mehr Jugendliche in die Stadt gekommen waren, als die Spanier angenommen hatten. Die Stadt war an diesem Tag schon total überfüllt und einige zentrale U-Bahn Stationen mussten geschlossen werden - nicht untypisch für einen Weltjugendtag, dennoch schienen die Spanier ein wenig überrumpelt zu sein. Wir hatten uns für den Empfang des Papstes schon gegen 15 Uhr an einer der Hauptstraßen postiert, kamen jedoch schon nicht mehr in die Nähe der „Puerta de Alcalá“, durch die der Papst später hindurchging. Bis 19 Uhr harrten wir aus und jubelten dem Heiligen Vater zu. Wir warteten jedoch nicht bis zu seiner Ansprache, weil der Platz immer voller wurde und wir Bedenken hatten, später nicht wieder von dort wegzukommen. So schoben wir uns durch die Massen und hatten große Mühe aus dem Gedränge hinauszukommen. An diesem Tag erlebten wir zum ersten Mal so richtig die Qualen eines heißen Tages in Madrid während des WJT: Menschenmassen, extreme Hitze und trinken, trinken, trinken um nicht zu kollabieren.Nach dieser ersten negativen Erfahrung beschlossen wir, den Kreuzweg am Freitag nur über eine Leinwand mitzuverfolgen, was eine gute Idee war. Auch hier waren die Straßen total überfüllt und die Madrider Feuerwehr schuf Abhilfe durch Wasserfontänen. Dennoch waren ständig Krankenwagen zu hören. Es hieß also wieder trinken, trinken, trinken. Diese Tage gaben uns einen Vorgeschmack auf die Abschussveranstaltung mit Papst Benedikt XVI., zu der wir uns am Samstag aufmachten. Alle hatten sich ausreichend mit Wasser versorgt und nur das Nötigste für die Nacht eingepackt. So erreichten wir den „Cuatro Vientos“, das Abschlussgelände. Zu diesem Zeitpunkt, am späten Nachmittag, waren wir der Sonne voll ausgesetzt, und alle Menschen strömten zu den Wasserstellen. Wurde zuerst noch Wasser verkauft, so gab es kurze Zeit Wasser umsonst, was meiner Meinung nach eine sehr vernünftige Entscheidung der Organisatoren war. Ich hatte nie das Gefühl, nicht schnell genug an Wasser kommen zu können, aber in diesen Tagen, und besonders auf dem Abschlussgelände, habe ich zu spüren bekommen, welch kostbares Gut Wasser sein kann, wenn es so heiß ist.
Während sich das Gelände immer mehr füllte, warteten wir auf die Ankunft des Papstes. Um 20.30 Uhr sollte die Vigilfeier mit Papst Benedikt beginnen. Kurz nach Beginn der Feier zog jedoch ein heftiges Gewitter mit starkem Regen und heftigem Wind auf. Der Wind blies den Staub und das Heu über das Feld, alles in Richtung Altarraum. Auf der Leinwand konnten wir sehen, dass der Papst mit Schirmen geschützt wurde. Kurze Zeit später brach die Übertragung ab, und die Veranstaltung wurde unterbrochen. Nach einer kurzen Beruhigung des Unwetters fing es erneut an zu regnen, und schließlich wurde die Feier früher beendet als geplant. Zu diesem Zeitpunkt verließen bereits viele Gruppen das Gelände, unter anderem auch ein großer Teil des Bistums Münster. Wir blieben. Vom Regen ließen wir uns nicht die Stimmung verderben, und auch unsere Sicherheit sahen wir nicht gefährdet. Ein bisschen Regen und Sturm muss ein WJT-Teilnehmer aushalten, in Toronto 2002 haben wir auch den Regen überlebt!
Der folgende Morgen begann sehr früh und ein wenig unsanft. Bald schon wurden wir dazu aufgefordert, unsere Schlafsäcke und Isomatten zusammenzupacken, um mehr Platz für die hineinströmenden Tagespilger zu schaffen. Es hieß noch enger zusammenzurücken. Um den Papst dann doch ein wenig näher sehen zu können, machte ich mich auf den Weg weiter nach vorn. Plötzlich sah ich auf einem der Bildschirme, dass er längst vorne angekommen war. Keine Chance, ihn aus der Nähe zu sehen. Schade!
So verfolgten wir die Messe von unserem Platz aus und sangen und beteten von dort aus mit. Am Mittag ging es auf die Heimfahrt. Nach ca. 30-stündiger Fahrt kam ich in Schöppingen an - müde, aber auch - wieder einmal - um viele Erfahrungen und neue Bekanntschaften reicher.“