Politik: Notfallpraxis in Coesfeld lassen

Coesfeld. Im Hauptausschuss waren sich alle Fraktionen einig: Die Notfallpraxis in Coesfeld soll wochentags mindestens mittwochs und freitags geöffnet sein, zusätzlich zum Wochenende. Einstimmig wurde nach CDU-Anregung eine entsprechende Resolution auf den Weg gebracht. Für die übrigen Tage soll mit Dülmen eine Kompromisslösung gesucht werden, so die Forderung. Bürgermeister Heinz Öhmann hatte zuvor mitgeteilt, dass er mit seinen Amtskollegen aus Billerbeck, Gescher, Rosendahl und Velen in einem Schreiben an die kassenärztliche Vereinigung und das NRW-Gesundheitsministerium Protest geäußert hat (wir berichteten). Die kassenärztliche Vereinigung plant, zum 1. Februar den Notdienst werktags von Coesfeld nach Dülmen zu verlegen. Nur noch am Wochenende und feiertags sollen Betroffene die Notfallklinik beim St. Vincenz-Hospital aufsuchen können. Der Notdienst werde werktags kaum genutzt und sei nicht wirtschaftlich, so die Begründung. Gegenüber unserer Zeitung sprach die kassenärztliche Vereinigung von einer Patientenzahl bis zu acht oder neun, oft weniger. Öhmann brachte allerdings im Ausschuss neue Zahlen mit: Danach nutzten den Notdienst über 22 Wochen durchschnittlich 14 Erwachsene am Mittwoch und 8,5 am Freitag.

Günter Hallay (Pro Coesfeld) fand es "verwerflich, die medizinische Versorgung unter wirtschaftliche Aspekte" zu setzen. "Unsere Feuerwehr ist ja auch immer im Einsatz."


Auch aus der Ärzteschaft gibt es scharfe Kritik, außerdem in Lüdinghausen - dort soll das Notfallpraxis-Angebot ebenfalls werktags nach Dülmen verlegt werden.

Ein Mitspracherecht haben die Kommunen nicht. "Aber wir sollten ein deutliches Zeichen setzen", so Gerrit Tranel (CDU) hinsichtlich der Resolution.

Die kassenärztliche Vereinigung hält an ihren Plänen fest. "Wir haben uns das gut überlegt", betonte Sprecher Christopher Schneider gestern gegenüber unserer Zeitung. Nach Gesprächen mit örtlichen Ärzten sei man zu dem Schluss gekommen, das Angebot dem Bedarf anzupassen. "Es ist ja nicht so, dass die Versorgung vor Ort leidet." Betroffene hätten zusätzlich zu dem Notfallpraxis-Angebot die Möglichkeit, den hausärztlichen Fahrdienst anzurufen oder - im akuten Notfall - den Krankenwagen.



27 · 01 · 12





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