Gymnastik auch noch mit 104 Jahren

Coesfeld. Mit wachen Augen, fester Stimme und jeder Menge Humor erzählt Elisabeth Kemper aus ihrem Leben. Dabei hat sie viel erlebt, so viel wie kaum ein anderer Coesfelder. Denn die rüstige Seniorin wird heute 104 Jahre alt und ist damit die zweitälteste Bürgerin der Stadt. "Das Allerwichtigste ist, dass ich noch Verstand habe", sagt die Jubilarin.

Einen gesunden Körper hat sie ebenfalls. Gut, das Gehör funktioniere nicht mehr einwandfrei und der Oberschenkel mache nach einem Sturz Probleme, aber dafür trainiert sie. "Ich lerne das Laufen wieder neu."


Dabei ist es noch nicht mal ein Jahr her, dass Elisabeth Kemper noch alleine in ihrer Wohnung im ersten Stock wohnte, mittags für sich das Essen kochte und regelmäßig einkaufen ging - mit 103 Jahren. Vielleicht liegt in der Selbstverantwortung für sich und die Wohnung ja das Geheimnis eines solch langen und gesunden Lebens. Ein Patentrezept hat sie jedenfalls nicht. "Ich weiß ja selber nicht, warum ich so alt werde", sagt Elisabeth Kemper schmunzelnd.

Nach dem Oberschenkelhalsbruch war es ihr nicht mehr möglich, die Treppen in den ersten Stock zu nehmen. Hinzu kam eine Operation wegen Magengeschwüren. Nun wohnt sie im Katharinenstift und fühlt sich wohl. "Ich habe immer gesagt, wenn ich nicht mehr kann, dann will ich hier hin." Ihr altes Leben vermisst sie nicht. Nur ihre Nachbarn, denn die gegenseitige Unterstützung war groß. In ihre neue Bleibe hat sie nur einige Erinnerungsstücke mitgenommen. Den Sessel mit der kuscheligen Decke, der jetzt am Fenster steht, ein Beistelltisch, Bilder und eine alte Lampe.

Die Seniorin besucht regelmäßig die Messen, macht Gymnastik und fühlt sich gut unterhalten. "Hier gibt es Lesungen und Gesang, hier ist immer etwas los." Langweilig wird ihr nicht. Dafür bekommt sie auch noch regelmäßig Besuch. "Mehr als die anderen Bewohner", ergänzt Elisabeth Kemper mit einem Augenzwinkern. Auch von ihren Urenkeln über die sie sich sehr freut. "Ich bin so dankbar, dass ich das alles noch erleben durfte. Die Geburt, die Taufe, die Konfirmation. Jetzt können sie mir sogar auf den Kopfspucken."

Doch bei all dem Glück wird sie auch kurz nachdenklich. Denkt an den Tod ihrer Tochter im vergangenen Jahr, die gerade einmal 70 wurde. "Das war gewiss nicht schön." Einen Augenblick ist sie still, schüttelt den Kopf und erzählt dann von der heutigen Geburtstagsfeier. "Die Nachbarn backen Kuchen und der Bürgermeister besucht mich. Es wird aber keine große Feier. Ich habe gesagt, wer kommt, der kommt."



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