Forelle hat es nur im Ofen warm


Die Fischteiche von Andre Hellmann in Börnste frieren langsam zu. Die Wasserleitungen hat er mit Schaumstoff isoliert, damit diese nicht platzen.
Die Fischteiche von Andre Hellmann in Börnste frieren langsam zu. Die Wasserleitungen hat er mit Schaumstoff isoliert, damit diese nicht platzen.
(Jürgen Primus)


Dülmen. In diesen Tagen schaut Andre Hellmann besorgt auf den Wetterbericht und auf das Thermometer. Denn der 33-Jährige baut derzeit in Börnste die Fischzucht neu auf. „Und wenn es jetzt noch kälter wird, dann könnte es auch brenzlig werden.“

Daher hat der Fischwirt auch schon Vorsorge getroffen und alle wichtigen Wasserleitungen mit Schaumstoff isoliert. „Ich arbeite mit Brunnenwasser. Das Wasser in der Hälterung hat derzeit sechs bis sieben Grad, im ersten Teich sind es noch fünf Grad und bei den Setzlingen derzeit nur noch zwei Grad.“


Die Forellen sind im Moment noch munter. „Unter fünf Grad braucht man in der Regel eigentlich nicht mehr zu füttern, aber ein bisschen gebe ich, und die Fische fressen ja auch noch.“ Wobei Fische im Winter in eine Starre verfallen würden. „Gerade Karpfen verlangsamen dann auch den Herzschlag. Das Organ schlägt nur noch rund drei bis vier Mal in der Minute.“ Wenn der Teich eine ausreichende Wassertiefe habe, nehmen die Fische auch keinen Schaden. „Man sagt, dass bei mehr als 80 Zentimeter Wassertiefe nichts passieren kann.“ Die Fische orientierten sich zum Boden, wo das Wasser wärmer sei.

„Problematisch wird es nur bei privaten Fischteichen, wo auch jetzt im Winter die Pumpe ihren Dienst versieht. Denn dann kühlt der Teich komplett aus.“ Es könne sich dann keine Temperaturgrenze bilden. „Im Winter ist das Wasser oben kalt und unten warm. Wirbel ich dieses Wasser, wie mit einer Pumpe, durcheinander, ist es überall kalt, der Teich gefriert komplett und die Fische gehen dann sicherlich alle kaputt.“

Ferner sollte man auf zugefrorenen Teichen mit vielen Fischen nicht Schlittschuh laufen oder dicke Steine drauf werfen. „Durch diese Geräusche könnten die Fische aus ihrer Winterstarre geweckt werden, und dann versuchen sie an die Wasseroberfläche zu kommen, um nach Luft zu schnappen, schafften das aber nicht aufgrund der geschlossenen Eisdecke. Dann gehen sie auch ein.“

Der große Angelteich von Andre Hellmann in Börnste mit einem Durchmesser von rund 60 Metern und einer maximalen Wassertiefe von zwei Metern, den der Fischwirt ab dem Frühjahr auch wieder bewirtschaften will, ist derzeit schon komplett zugefroren. Das Eis ist bereits mehrere Zentimeter dick. „Es trägt aber sicherlich noch keine Menschen“, warnt er vor dem Betreten.

Aufgrund des bislang milden Winters hat der Jung-Unternehmer viel schaffen, mehrere Teiche und Becken wieder in Betrieb nehmen und die Fische entsprechend aufpäppeln können. „Ich hoffe, dass es jetzt nicht noch kälter wird.“

Ein Gutes haben die Minus-Temperaturen aber: Um die Kühlung für geschlachtete Forellen braucht Hellmann sich keine Sorgen zu machen. „Und auf Kundenwunsch hänge ich Fische ja auch in den warmen Räucherofen“, schmunzelt er.

VON JÜRGEN PRIMUS


01 · 02 · 12





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