Künstlicher Stau am Königsplatz


Kinder an die Macht: Am Samstag machten die ganz Kleinen mit ihren Spielzeugautos Verkehrspolitik
Kinder an die Macht: Am Samstag machten die ganz Kleinen mit ihren Spielzeugautos Verkehrspolitik
(Markus Michalak)


Dülmen. Wer am Samstagvormittag wie gewöhnlich sein Fahrzeug im Halteverbot am Königsplatz abstellte, bekam es mit Dülmens Kindern und Familien zu tun: Sofort stürzte sich eine johlende und pfeifende Meute auf den Wildparker, der dann auch rasch das Weite suchte.
Genau gegen diese weitverbreitete Unsitte, die Tempo 20-Anliegerstraße einfach mal als Durchgangsstraße zu missbrauchen, oder kurz zum Einkauf auf dem Gehweg zu parken, machten rund 100 Demonstranten am Samstag zwischen 11 und 12 Uhr mobil.

„Ich habe hier noch nie lange gestanden und den Verkehr beobachtet, aber jetzt muss ich sagen, das kann hier nicht so weitergehen“, zeigte sich auch der Landtagsabgeordnete André Stinka (SPD) beeindruckt von den langen Autoschlangen, die sich fast ununterbrochen durch die angeblich beruhigte Verkehrszone drängelten. 47 Autos in nur fünf Minuten hat die Stadtverordnete Anke Pohlschmidt (SPD) spontan gezählt.
Am Samstag wurden die Autofahrer allerdings nicht nur durch die eher wirkungslosen Verkehrsschilder ausgebremst: Bobbycars, Trecker, Kettcars und jede Menge Kinder und Eltern überquerten immer und immer wieder die Coesfelder Straße, sicher hinübergeleitet von zwei weithin sichtbaren Bobbycar-Verkehrslotsen. Die grellgrün bedruckten T-Shirts hat die Firma „big time“ gespendet.
Jochen Wilms hatte einen Bobbycar-Ferrari unter dem Arm, auf dem sich die Demonstranten verewigen konnten: „Den werden wir noch einige Zeit im Café täglich ausstellen, dann geht er an die Bezirksregierung.“ Neben schlichten Autogrammen ist der feuerrote Ferrari auch mit Schriftzügen wie „Freiheit für den Königsplatz“ verschönert worden.
Was Anwohner und Händler am Königsplatz ärgert ist, dass das allgemein positiv aufgenommene Verkehrskonzept eines beruhigten Platzes, der zum Innehalten und Flanieren beim Innenstadtbummel einladen soll überhaupt nicht funktioniert: „Da hat ja selbst ein Holländer auf dem Weg nach Polen noch ein Anliegen, hier durchzubrausen“, schimpft ein Demonstrant. Wer einmal zehn Minuten am Straßenrand gestanden hat, wird ihm Recht geben.
Die Dülmenerin Birgit Freitag, die mit Tochter Emma (6) zur Demo gekommen ist, fragt sich: „Warum macht man die Fußgängerzone nicht, wie in Coesfeld, einfach ganz für den Straßenverkehr dicht?“ Schließlich gebe es doch jede Menge Parkplätze in Dülmen.
Bei heißem Gratis-Kinderpunsch vom Café täglich und kostenlosen Leckereien der Bäckerei Grote hielten die meisten kleinen und großen Demonstranten trotz Nieselregens tapfer eine Stunde lang durch. Ganz sicher war der Königsplatz schon lange nicht mehr so verkehrsberuhigt, wie an diesem Samstagvormittag.

VON MARKUS MICHALAK


19 · 02 · 12





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