Gelsenwasser Gewinner im Netz-Poker


Der kommunalen Netzübernahme ein Stück näher gekommen: v. l. Dietmar Bergmann, Martin Brück von Oertzen, Josef Himmelmann, Erich Gottheil, Alfred Holz, Marion Dirks, Dieter Emthaus, Marc Dewald, Klaus Gromöller und Richard Borgmann. Foto: ds
Der kommunalen Netzübernahme ein Stück näher gekommen: v. l. Dietmar Bergmann, Martin Brück von Oertzen, Josef Himmelmann, Erich Gottheil, Alfred Holz, Marion Dirks, Dieter Emthaus, Marc Dewald, Klaus Gromöller und Richard Borgmann. Foto: ds


Senden. Der Energiekonzern RWE ist augenscheinlich der große Verlierer einer europaweiten Ausschreibung, mit der die Städte und Gemeinden Ascheberg, Billerbeck, Havixbeck, Lüdinghausen, Nordkirchen, Olfen, Rosendahl und Senden einen so genannten "strategischen Partner" für die Übernahme der Strom- und Gasnetze in ihrem Bereich gesucht haben. Wie die Bürgermeister der acht an der "Netzgesellschaft Münsterland" beteiligten Kommunen gestern in Senden bekanntgaben, wollen sie ihren Stadt- und Gemeinderäten vorschlagen, der Gelsenwasser-Unternehmensgruppe den Zuschlag zu geben, die derzeit schon die Gasnetze in Ascheberg, Havixbeck, Nordkirchen, Olfen und Senden unterhält. "Sie soll das Know-how für den Betrieb der Netze liefern", erläuterte Dieter Emthaus, früherer Bürgermeister von Ascheberg und "Motor" des Vorhabens, die Netze in die kommunale Hand zu überführen, den Hintergrund.

Keiner der Vertreter nahm bei der Pressekonferenz im Sendener Rathaus den Namen RWE, die bislang sämtliche Stromnetze in der Region und die Gasnetze in Billerbeck, Lüdinghausen und Rosendahl betreibt, in den Mund. Offiziell war von acht Bietern aus ganz Deutschland die Rede, die sich darum beworben hatten, mit 49 Prozent Anteil Minderheitsgesellschafter in der "Netzgesellschaft Münsterland" zu werden. In die Schlussauswahl kamen nach Auskunft von Rechtsanwalt Marc Dewald von der Kanzlei Wolter Hoppenberg (Hamm/Münster), die die Ausschreibung betreut hatte, fünf Kandidaten, von denen einer noch abgesprungen ist. Bis Mitte November 2011 mussten die vier Finalisten verbindliche Angebote vorlegen. "Und alle Bieter haben gute Angebote eingereicht", so Dewald. Nach genauer Prüfung sei die Wahl auf Gelsenwasser gefallen. Die AG und ihre Tochtergesellschaft Energienetze waren als Bietergemeinschaft ins Rennen gegangen. Die Empfehlung der Verhandlungskommission liegt damit auf dem Tisch. Entscheiden müssen die Stadt- und Gemeinderäte sowie formal auch noch die Gesellschafterversammlung. Wenn alles glatt geht, sollen im März die Verträge unterzeichnet werden. Die konkrete Übernahme eines Großteils der Netze könnte dann zum 1. Januar 2014 erfolgen. Einige Alt-Konzessionen laufen aber auch noch bis 2019.


In die bereits vierjährige Vorarbeit für die geplante Netzübernahme haben die acht Städte und Gemeinden bereits jeweils rund 50.000 Euro gesteckt, zusammen 400.000 Euro. Darin enthalten sind auch die Kosten für die Ermittlung des Wertes der Netze. Genaue Angaben dazu wollten sie aber nicht machen. Nur soviel verriet Martin Brück von Oertzen von der Kanzlei Wolter Hoppenberg: "Es handelt sich um einen zweistelligen Millionenbetrag - und zwar nicht im unteren zweistelligen Bereich."

Wenn dieses Geld fällig wird, sollen damit "nicht die Bürger belastet werden", versicherte Olfens Rathaus-Chef Josef Himmelmann. Die Kredite dafür sollen über eine staatlich garantierte Eigenkapital-Verzinsung abgezahlt werden. Gibt es keine Risiken? "Nach menschlichem Ermessen sind wir auf der sicheren Seite", so Billerbecks Bürgermeisterin Marion Dirks. "Das ist keine Fahrt im Nebel, sondern eine Fahrt auf Sicht", gab ihr Martin Brück von Oertzen Recht.

Erhofft man sich denn eine Rendite? Die, so Himmelmann, sei für ihn nicht entscheidend: "Uns geht es darum, über die Netze bestimmen zu können." Das sei zum Beispiel im Hinblick auf den Ausbau regenerativer Energien wichtig.



27 · 01 · 12





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