Senden. Der Energiekonzern RWE ist augenscheinlich der große Verlierer einer europaweiten Ausschreibung, mit der die Städte und Gemeinden Ascheberg, Billerbeck, Havixbeck, Lüdinghausen, Nordkirchen, Olfen, Rosendahl und Senden einen so genannten "strategischen Partner" für die Übernahme der Strom- und Gasnetze in ihrem Bereich gesucht haben. Wie die Bürgermeister der acht an der "Netzgesellschaft Münsterland" beteiligten Kommunen gestern in Senden bekanntgaben, wollen sie ihren Stadt- und Gemeinderäten vorschlagen, der Gelsenwasser-Unternehmensgruppe den Zuschlag zu geben, die derzeit schon die Gasnetze in Ascheberg, Havixbeck, Nordkirchen, Olfen und Senden unterhält. "Sie soll das Know-how für den Betrieb der Netze liefern", erläuterte Dieter Emthaus, früherer Bürgermeister von Ascheberg und "Motor" des Vorhabens, die Netze in die kommunale Hand zu überführen, den Hintergrund.
Keiner der Vertreter nahm bei der Pressekonferenz im Sendener Rathaus den Namen RWE, die bislang sämtliche Stromnetze in der Region und die Gasnetze in Billerbeck, Lüdinghausen und Rosendahl betreibt, in den Mund. Offiziell war von acht Bietern aus ganz Deutschland die Rede, die sich darum beworben hatten, mit 49 Prozent Anteil Minderheitsgesellschafter in der "Netzgesellschaft Münsterland" zu werden. In die Schlussauswahl kamen nach Auskunft von Rechtsanwalt Marc Dewald von der Kanzlei Wolter Hoppenberg (Hamm/Münster), die die Ausschreibung betreut hatte, fünf Kandidaten, von denen einer noch abgesprungen ist. Bis Mitte November 2011 mussten die vier Finalisten verbindliche Angebote vorlegen. "Und alle Bieter haben gute Angebote eingereicht", so Dewald. Nach genauer Prüfung sei die Wahl auf Gelsenwasser gefallen. Die AG und ihre Tochtergesellschaft Energienetze waren als Bietergemeinschaft ins Rennen gegangen. Die Empfehlung der Verhandlungskommission liegt damit auf dem Tisch. Entscheiden müssen die Stadt- und Gemeinderäte sowie formal auch noch die Gesellschafterversammlung. Wenn alles glatt geht, sollen im März die Verträge unterzeichnet werden. Die konkrete Übernahme eines Großteils der Netze könnte dann zum 1. Januar 2014 erfolgen. Einige Alt-Konzessionen laufen aber auch noch bis 2019.