Nicht der einzige Tornado


In Appelhülsen gehen die Aufräumarbeiten nach dem Tornado weiter. Bei den betroffenen Bewohnern sitzt der Schrecken immer noch tief.
In Appelhülsen gehen die Aufräumarbeiten nach dem Tornado weiter. Bei den betroffenen Bewohnern sitzt der Schrecken immer noch tief.
(Foto: Dieter Klein)


Appelhülsen/Kreis Coesfeld. Der Tornado, der über Appelhülsen fegte, ist nicht der einzige im Kreis Coesfeld. In den vergangen 20 Jahren tobte mehrere Male ein Tornado - oder eine Windhose, wie man landläufig sagt -, im Kreisgebiet und richtete dabei zum Teil erhebliche Schäden an. Oft, aber nicht immer hatten die Menschen dabei allerdings mehr Glück als die betroffenen Appelhülsener. „Es kommt ja immer darauf an, ob der Rüssel des Tornados den Boden berührt und ob dort gerade eine Besiedlung ist“, erklärt Josef Kantuzer vom Deutschen Wetterdienst Essen (DWD).

Vor zehn Jahren, am 6.6.1998, rückte die Feuerwehr Dülmen aus, nachdem eine Windhose durch Teile Dülmens raste. Wenige Kilometer weiter schlug der Tornado in Billerbeck zu. Augenzeugen zufolge war es heiß und schwül an dem Tag. Gewittrig. Die Wolken hingen tief und schwer, als berührten sie den Dom in Billerbeck. Bis dann eine Wolke zu rotieren begann und sich zu einem umgedrehten Vulkan formte. Noch heute sind Schäden dieses Ereignisses bei der Berkelquelle in Billerbeck zu sehen. Der Tornado richtete in dem Wald bei dem Wanderweg starke Schäden an. Die Zugbahn ist immer noch zu erkennen - viel Buschwerk und Wildwuchs statt Bäume. Auch umliegende Häuser wurden damals in Mitleidenschaft gezogen.


Schon 20 Jahre ist es her, als eine Windhose Darup und Nottuln in Angst versetzte. Das war am 23. September 1988. Eine Daruperin erinnert sich, dass dabei das Dach eines Melkstalls abgehoben wurde. Zuletzt beobachtet wurde am 25.6.2006 ein Tornado, der von Werne bis zur Grenze des Kreises Coesfeld raste. Schäden auf dem Kreisgebiet sind nicht dokumentiert.

Meteorologe Kantuzer sagt, dass es ein bis zwei Tornados im Jahr in NRW gibt. „Ihre Stärke und Geschwindigkeit werden nach dem Schaden berechnet, den sie anrichten“, sagt er.

Im Fall Appelhülsen gehen die Meteorologen davon aus, dass der Sturm mit 160 bis 252 km/h über den Ort fegte. Auf der Skala von F 0 (schwach) bis F 5 (heftig) liegt er damit zwischen F1 und F2. Dabei kam es offenbar in der Bauerschaft Heller zu ersten Bodenkontakten: Der dortige Hundeferienpark meldet entwurzelte Bäume. Den Hauptteil bekam aber Appelhülsen an drei Stellen ab, wo der Tornado rund 30 Häuser beschädigte. Ein Schornstein stürzte sogar ein, Fenster splitterten, ein Gewächshaus zerschmetterte, draußen liegende schwere Gegenstände saugte der Sturm auf und schleuderte sie mehrere Straßen weiter. Stadt und Feuerwehr schätzen den Schaden auf mehrere 100 000 Euro. Gestern gingen die Aufräumarbeiten und Reparaturen weiter.

Der Tornado zog am Montag offenbar weiter in Richtung Senden. „Unser Zaun ist in Stücke zerrissen worden“, berichtet Leserin Diane Rüskamp aus Senden. „Wir lagen wohl noch direkt in der Schneise.“ Ein Baum habe so bedrohlich gewackelt, als ob er zerbreche.

Anschließend hat sich das nur wenige Minuten dauernde Naturereignis ins Nichts aufgelöst. Im Sendener Raum, dem vermutlichen Ende der kurzen schnellen Reise des Trichters, kam kübelweise Regen runter. „Der Himmel war so dunkel, als würde die Welt untergehen“, beobachtete Rüskamp. Anders als an der anderen Seite der Baumberge im Coesfelder Raum: Da war am Montagabend alles ganz normal - regnerisch, aber nicht bedrohlich.

VON VIOLA TER HORST, COESFELD


22 · 07 · 08





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