Lyrik mit Raum für eigene Gedanken


Die beiden Postpoetry-Autoren Thorsten Krämer (l.) und Vivia Ochmann (r.) lesen nicht nur ihre Gedichte, sondern berichten im Gespräch mit Moderatorin Nika Betram (Mitte) auch über Motivation und Hintergründe ihrer Arbeit. Foto:ho
Die beiden Postpoetry-Autoren Thorsten Krämer (l.) und Vivia Ochmann (r.) lesen nicht nur ihre Gedichte, sondern berichten im Gespräch mit Moderatorin Nika Betram (Mitte) auch über Motivation und Hintergründe ihrer Arbeit. Foto:ho


Rosendahl. Mit Gedichten Leute hinter dem Ofen hervorlocken? Und dann noch mit zumindest im Münsterland weitgehend unbekannten Autoren? Beim Rosendahler Publikum, das sich einmal mehr neugierig und offen zeigt, auch oder gerade für außergewöhnliche Lesungen, funktioniert es hervorragend, wie der große Zulauf für die erste Veranstaltung im Rahmen der Kulturkarte 2012 zeigt.

Dorothea Roters begrüßt an diesem Abend vor allem zwei Autoren, die gleichsam als Tandem auftreten. Da ist zum einen die erst 17 Jahre junge Vivia Ochmann, die in Rosendahl das erste Mal vor Publikum auftritt. Ihr zur Seite steht der erfahrene Autor Thorsten Krämer, der mehrere Romane veröffentlicht hat und auch fürs Fernsehen schreibt. Beide haben an dem Lyrik-Wettbewerb "Postpoetry" teilgenommen, erreichten die Endrunde und wurden daraufhin zu einer Lesereise eingeladen. Weitere Lesungen dieses Wettbewerbs, der getragen ist von dem Gedanken der Zusammenarbeit von Alt und Jung, finden zurzeit in ganz NRW statt.


Begleitet werden die beiden von der Autorin, Journalistin und Projektmitarbeiterin Nika Bertram, die die Lesung moderiert und der Leiterin des Projekts, Monika Littau. "Um was geht es heute Abend", fragt Bertram. Um Gedichte, die es so schwer haben in diesem Land und für die dieser Wettbewerb mehr Aufmerksamkeit schaffen will, indem er Lyrik in die Öffentlichkeit trägt, erläutert Bertram. Und auch Littau bricht eine Lanze für die Lyrik, für die Musik, die Gedichten innewohnt, für ihre Möglichkeit, Momente festzuhalten, einen Bildraum aufzuspannen für eigene Gedanken.

Dann gehört die Bühne Vivia Ochmann. Selbstbewusst und zugleich bescheiden trägt sie ihre Gedichte vor, die überraschen und begeistern mit einer sehr poetischen Sprache, mit vielen Bildern, in denen Natur und Mensch verbunden werden, in denen von Liebe und Abhängigkeit, von Egoismus, Blindheit und Rebellion die Rede ist. Bravo-Rufe ertönen aus dem Publikum. Im anschließenden Gespräch mit Bertram nennt die angehende Abiturientin Goethe, Shakespeare und Hesse als ihre Vorbilder, gesteht, dass sie eher in dunklen Augenblicken schreibt, um Emotionen so auf besondere Art auszudrücken.

Besondere Gedichte stellt anschließend auch Thorsten Krämer vor. Er hat sich die Fotoserie "The Democratic Forest" von William Eggleston zur Vorlage genommen, sieht in dem Fotografen stellvertretend den Reisenden, dessen Fotos er weitererzählt - eine Reise, ohne den Körper zu bewegen, eine Reise, an der er die Rezipienten seiner Gedichte teilhaben lässt und ihnen Platz für eigene Gefühle und Assoziationen gibt, so zu sagen Möglichkeitsräume erschafft. Im anschließenden Gespräch gibt er einen Einblick in sein Schaffen als Autor.

Am Ende kommen beide Autoren noch einmal zu Wort und lassen die Zuhörer an ihrer Begeisterung für Lyrik und das geschriebene Wort teilhaben. Eine gelungene Mischung aus Lesung und Information, die viel Beifall findet.



01 · 02 · 12





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