Ausstellung

Straßennamen sind aktuelles Thema

Münster - „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ ist der Titel einer neuen Ausstellung zur aktuellen Diskussion über die Umbenennung von Straßennamen in Münster. Sie ist Teil der vom Ältestenrat der Stadt angeregten Dialog- und Informationsphase, die die Öffentlichkeit über das Leben und Wirken der umstrittenen Namenspatrone und ihre Verbindungen zum Nationalsozialismus aufklären soll. Das Ausstellungskonzept haben Philipp Schwerdtfeger und Johannes Vogt, zwei Absolventen der Fachhochschule Münster, entwickelt. Zur Eröffnung versammelten sich über 200 interessierte Bürger im Rathaus und hörten zunächst einen Vortrag des renommierten Geschichtswissenschaftlers Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer. Der Universitätsprofessor ist Mitglied der Historikerkommission, die in den vergangenen Monaten die Namensgeber von Straßen auf ihre Verstrickungen mit dem NS-Regime untersucht hat. Als Ergebnis entstand eine Liste von Straßen, die nach Meinung der Experten entweder umbenannt oder mit einem Hinweis versehen werden sollten. Die Ausstellung zeigt Personen dieser Liste in Form von elf lebensgroßen Silhouetten. Mit aufgedruckten Texten informieren sie über die Rolle der Dargestellten im Nationalsozialismus. Eine der Figuren zeigt den Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg, nach dem seit 1927 der größte Platz Münsters benannt ist. Die Kommission empfiehlt dessen Umbenennung - was derzeit den wohl größten Zankapfel in der Diskussion darstellt. Neben Hindenburg zeigt die Ausstellung einige Personen, die vor allem künstlerisch und kulturell tätig waren. Zu ihnen zählt etwa die Dichterin Agnes Miegel, die laut Kommission eine „Stütze des NS-Regimes im Bereich Kultur war und den Führer in ihren Werken verherrlichte“.

„Die Frage ist: Haben diese Personen es verdient, für eine Straße zu stehen? Wir wollen mit unserem Beitrag die Diskussion auf den Punkt bringen und versachlichen“, sagt Ausstellungsmacher Schwerdtfeger. Die Texte dazu hat ein Redaktionsteam um Dr. Hannes Lambacher und Anja Gussek verfasst. Die Leiter des Stadtarchivs haben zudem historisches Originalmaterial zur Verfügung gestellt, das in der Ausstellung zu sehen ist.


„Ich hoffe, dass die Ausstellung die erforderliche Sensibilität in der Diskussion um die Umbenennung fördert“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe. In seinem Grußwort machte er keinen Hehl daraus, welche Position er hinsichtlich des Hindenburgplatzes vertritt: „Hindenburg kann kein politisches Vorbild sein, und ihm gebührt deshalb auch keine öffentliche Ehrung.“

Zu sehen ist die öffentliche Ausstellung bis zum 16. März in der Bürgerhalle des Rathauses.



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