Catering am FMO: Weltmeister im Improvisieren


Hans-Peter Braun ist Leiter von LSG-Catering. Hier steht er an der Verpackungsmaschine für die belegten Brötchen im Küchenbereich.Foto:
Hans-Peter Braun ist Leiter von LSG-Catering. Hier steht er an der Verpackungsmaschine für die belegten Brötchen im Küchenbereich.Foto:
(fks)


Greven - „Der Flugplan ist unsere Bibel und wir sind Weltmeister im Improvisieren, denn in unserem Job kann schnell mal was dazwischen kommen“, sagt Hans-Peter Braun, der Betriebsleiter Operations bei der Lufthansa Service Catering- und Dienstleistungsgesellschaft (LSG) am Flughafen Münster-Osnabrück.

Sein Reich liegt in einer Halle etwas außerhalb des Flughafenkomplexes, direkt neben Cargo. Ohne Essen und Trinken läuft am FMO nichts und Hans-Peter Braun und seine 22 Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Verpflegung in den Fliegern stimmt und die Passagiere zufrieden sind. LSG-Catering beliefert aber nicht nur am Standort FMO die Airlines, mit denen die Tochter der Lufthansa einen Vertrag hat. Auch die Flughäfen in Dortmund, Paderborn, Nürnberg und Weeze gehören zur Kundschaft. Braun: „Und da gibt es noch die Privatflieger, die sich eindecken wollen. Die bezahlen aber in bar oder aber über den Flughafen.“


Alles, was an Bord eines Fliegers ist und gegessen oder getrunken werden kann, kommt von LSG-Catering und ist Inhalt eines komplexen Auftrags. Mal angenommen, eine Boeing 737 startet an einem Donnerstag um 6 Uhr vom FMO nach München. Dann läuft bei LSG-Catering bereits am Vorabend, wenn der Flugplan und damit die Passagierliste für den Flug vorliegt, die interne Maschinerie an.

Der Auftrag für diese spezielle Maschine ist über eine Stückliste definiert, die die Kabinenausrüstung und den Beladeplan für die Bordküche beinhaltet. Braun: „Wir unterscheiden dabei zwischen einer Neu- und einer Teilausrüstung. Im ersten Fall müssen wir die Maschine komplett mit Essen und Getränken ausstatten. Im zweiten Fall müssen wir nur einen Teil nachliefern.“

Das Essen wird in der Küche nach Vorgabe der Passagierzahl frisch produziert und verpackt, die Standardausrüstung, wie Getränke, Kaffee, Tee, Becher, Tassen und Gläser, werden auf Paletten gelagert.

Morgens gibt es im Flieger in der Regel ein kleines Frühstück, bestehend aus einem Brötchen, belegt mit Schinken, Käse oder Wurst. Alles wird genau abgewogen, verpackt, in Trolleys verstaut und bekommt einen festen Platz in der Bordküche. Das Brötchen ist Tiefkühlware, der Belag ist frisch und kommt aus dem Kühlhaus.

Große Mengen kommen da nicht zusammen, denn darunter leidet bekanntlich die Frische. Wie plant also LSG-Catering? Braun: „Nach einem Standardflug und je nach Saison ist der Auslastungsgrad definiert. Unsere Erfahrungswerte fließen noch in die Planung mit ein. Wir bestellen dann über unsere System bei einem Lieferanten und haken am Liefertag die Wareneingangsliste ab.“

Dabei kommt es zu einer besonderen Situation. Der Wareneingang befindet sich auf der Landseite, die für jeden zugänglich ist. Das Catering-Gebäude liegt jedoch auf der Luftseite, also innerhalb des Sicherheitsbereichs des Flughafens, der nur mit Sicherheitsausweis betreten werden darf.

Die Lösung: Das Tor an der Rampe kann nur geöffnet werden, wenn der Wareneingangsbereich durch zwei Stahltore verschlossen und damit abgeschottet ist. Erst wenn das Tor an der Rampe wieder geschlossen ist, lassen sich die Stahltore wieder öffnen. Unbefugte haben keine Chance, diese Sperre zu überwinden.

Angenommen, die Boeing 737, die nach München fliegen sollte, hat einen technischen Defekt und wird durch einen Airbus A 319 ersetzt. Jetzt heißt es für Hans-Peter Braun und seine Mitarbeiter improvisieren. Mit der neuen Crew wird abgesprochen, was an Bord ist und was kurzfristig nachgeliefert werden soll. Braun: „Zum Glück kommt das nicht so häufig vor, doch wir müssen mit allen Situationen fertig werden und haben das bisher auch immer geschafft.“

VON FRANZ KAMPSCHULTE, GREVEN


19 · 01 · 10





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