„Gesetz ist eine Farce“

Das Nichtraucherschutzgesetz sei eine Farce, meint Ordnungsamtsleiter Michael Schreiber. In den meisten Grevener Kneipen wird jedenfalls längst wieder gequalmt.
Das Nichtraucherschutzgesetz sei eine Farce, meint Ordnungsamtsleiter Michael Schreiber. In den meisten Grevener Kneipen wird jedenfalls längst wieder gequalmt.


Greven - Der Hype im Vorfeld war groß. Schließlich sollte erstmals in Deutschland das Rauchen in den Kneipen verboten werden. Die Raucher stellten sich auf viel frische Luft vor den Kneipen, die Nichtraucher auf genau so viel frische Luft in den Kneipen ein. Die Wirte hatten gar Angst, dass künftig weder vor noch in den Kneipen Betrieb sei. Gut eineinhalb Jahre später sieht alles ganz anders aus. Von einem Rauchverbot in Kneipen kann - auch in Greven - nicht mehr wirklich gesprochen werden. Das Nichtraucherschutzgesetz sei eine Farce, meint gar Ordnungsamtsleiter Michael Schreiber. „Es ist wohl das schlechteste Gesetzt, dass in NRW jemals erlassen wurde“, wird er noch deutlicher.

Ausnahmen sind beim Nichtraucherschutzgesetz die Regel. „Da hat der Hotel- und Gaststättenverband wohl gute Lobbyarbeit geleistet“, sagt ein Wirt, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dass Lobbyarbeit gut funktioniere, sei schließlich spätestens seit der Minderung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelbetriebe klar geworden.


Wie gesagt: Ausnahmen bestimmen beim Nichtraucherschutzgesetz die Regel. So kann eine Kneipe den kleineren Bereich der Räume - also auch den Thekenbereich - als Raucher-, den größeren als Nichtraucherbereich deklarieren. „Da werden auch die Flure und die Toilettenräume mitgezählt“, erklärt Schreiber. „Und wir haben einfach nicht das Personal, um das alles zu kontrollieren.“ Deshalb sei das Gesetz auch nicht durchsetzbar. „Damit kann niemand etwas anfangen.“

Klare Worte vom Chef des Ordnungsamtes. Und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass in den Grevener Kneipen häufig gequalmt wird wie früher. Manchmal legal - die Ausnahmen erlauben einiges -, manchmal auch illegal. „Im Sommer sind die Raucher noch vor die Tür gegangen“, erzählt ein weiterer Wirt. Als es dann kälter wurde, seien die Raucher dann abgewandert. „Und zwar in die Kneipen, wo sie rauchen durften.“ Da habe er einige Stammgäste verloren und deshalb auch keine Skrupel mehr gehabt, die Aschenbecher wieder auf den Tisch zu stellen.

Sicherlich gebe es ein paar militante Nichtraucher, die deshalb nicht mehr kämen. „Aber die bringen auch nicht unbedingt den Umsatz“, sagt der Wirt. Beschwerden beim Ordnungsamt habe es aber so gut wie keine gegeben, bestätigt Schreiber.

Aber zumindest in den Restaurants wird das Nichtrauchergebot wohl eingehalten, erklärt Siggi Simon, Vorsitzender des Grevener Ortsverbandes des Hotel- und Gaststättenverbandes. „Doch das war in den meisten Grevener Speisegaststätten auch schon vor Einführung des Gesetzes so.“

VON PETER BECKMANN, GREVEN

20 · 01 · 10



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