Ein Kinderarzt auf hoher See


Dr. Ulf Walaschewski ist Leiter der Stabsstelle Medizin-Controlling im ckt-Verbund.Foto:
Dr. Ulf Walaschewski ist Leiter der Stabsstelle Medizin-Controlling im ckt-Verbund.Foto:
(fks)


Greven - Was ist Medizincontrolling? „Das ist gar nicht so leicht zu erklären,“ sagt Dr. Ulf Walaschewski. „Da muss ich weit ausholen, damit das Berufsbild einigermaßen verständlich wird.“ Der Münsteraner ist Leiter der Stabsstelle Medizincontrolling im ckt-Verbund mit dem Maria-Josef-Hospital in Greven und den beiden Häuser in Emsdetten und Steinfurt. Der Facharzt für Kinderheilkunde kam vor etwa einem Jahr zum ckt-Verbund und ist in allen drei Häusern präsent.

Er versteht sich als Bindeglied zwischen den Leistungserbringern wie Ärzten und Pflegern und der Krankenhausverwaltung und schlägt die Brücke zwischen Medizin und Ökonomie im Krankenhausbetrieb. Er versteht etwas von Medizin - das hat er schließlich studiert und praktiziert -, kennt sich aber auch betriebswirtschaftlich bestens aus.


Medizincontroller sind gefragte Leute und haben deshalb gute Aussichten auf einen Job. Sie überwachen Strukturen, Prozesse und Ergebnisse innerhalb eines Krankenhauses und entwickeln sie weiter. Ihr Ziel ist es, das medizinische Leistungsspektrum zu analysieren und dessen Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Dazu beraten sie Ärzte, Schwestern und Pfleger in betriebswirtschaftlichen Dingen sowie umgekehrt die Betriebswirte in der Verwaltung in medizinischen Fragen. Das ist notwendig, weil sich ein Wechsel in den Kliniken vollzieht beziehungsweise vollzogen hat: weg von der rein verwaltenden Betriebsleitung hin zur Unternehmensführung.

Ein Krankenhaus lebt von den Leistungen, die es erbringt. Also kommt es darauf an, diese Leistungen vollständig und korrekt zu dokumentieren. Das sichert die sachgerechte Ermittlung und Abrechnung der Fallpauschale mit den Krankenkassen. Dr. Walaschewski: „Das Fallpauschalensystem hat eine ganz neue Abrechnungswelt eröffnet. Dabei wird Leistung nach einem Festpreis in einem bestimmten Rahmen abgerechnet und nicht mehr nach stationärer Verweildauer.“

Am Anfang einer Behandlung steht immer die Frage, ob diese stationär erfolgen muss oder auch ambulant möglich ist. Erfolgt sie stationär, ist das Krankenhaus gehalten, den in der Fallpauschale vorgegebenen Kostensatz einzuhalten. Das geht dann meistens nur über die Verweildauer.

Generell kann man sagen: Die Aufgabe eines Medizincontrollers ist es, die Krankenhausleitung dabei zu unterstützen, das Haus zu einem modernen, wirtschaftlich arbeitenden Dienstleistungsunternehmen aufzubauen. Er muss Transparenz ins Leistungsgeschehen bringen, regelmäßig den Fachabteilungen und der Krankenhausleitung berichten, Strategien entwickeln und die Geschäftsführung über Zusammenhänge und Umfang der Krankenhausleistungen und deren Entwicklung informieren. So ist der Medizincontroller natürlich auch an den jährlichen Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen (Kostenträgern) beteiligt. Dabei soll am Anfang eines Jahres auf der Basis vorangegangener Zeiträume, die Entwicklung des Hauses für das aktuelle Jahr prognostiziert werden. Walaschewski: „In einem sich wandelnden Gesundheitswesen und einer instabilen Krankenhauslandschaft ist Krankenhausfinanzierung nicht einfach. Das ist wie auf hoher See. Wir wissen nie genau, wann der nächste Brecher einschlägt.“

Steigende Personal-, Sach- und Versicherungskosten, da ist es nach Aussage des Controllers schwierig, die Differenz durch medizinischen Mehrleistungen zu kompensieren. Vertrauen bei den Kostenträgern aufzubauen ist für ihn ebenfalls eine wichtige Schiene. Der Controller: „Ohne Vertrauen läuft nichts. Wir müssen die Kassen davon überzeugen, dass wir eine gute Leistung erbringen und diese auch korrekt abrechnen. Unser Haus hat das System der Fallpauschale beherzt angenommen und setzt es bei Leistungsstruktur und Verweildauer bereits gut um.“

VON FRANZ KAMPSCHULTE, GREVEN


13 · 04 · 11





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