Die Frau an der Orgel


Sie ist Vollblutmusikerin aus Leidenschaft: Uta Rodenberg ist in den Gottesdiensten unentbehrlich. Foto:
Sie ist Vollblutmusikerin aus Leidenschaft: Uta Rodenberg ist in den Gottesdiensten unentbehrlich. Foto:
(sba)


Reckenfeld - Sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben, wer kann das schon von sich behaupten? Ein Schauspieler vielleicht. Oder ein Profi-Fußballer. Vielleicht ein Koch. Oder jemand, der professionell musiziert wie die Kirchenmusikerin Uta Rodenberg. Seit zehn Jahren ist sie in der evangelischen Gemeinde die Frau an der Orgel, sie kennt die Instrumente in der Reckenfelder Erlöserkirche und auch in der Grevener Christuskirche aus dem Effeff.

Sie ist unentbehrlich im Gottesdienst. Kirchenmusik ohne Orgel? Das ist irgendwie nur schwer vorstellbar. Ob beim Sonntagsgottesdienst, bei Trauungen, Beerdigungen, Schulgottesdiensten, Konfirmationen - Uta Rodenberg begleitet jeden Anlass musikalisch. Mit Händen und Füßen ist sie im Einsatz, wechselt die Klangfarben der Orgel, um der Gemeinde musikalische Vielfalt und Abwechslung zu bieten. „Da muss man natürlich flexibel sein, bei Hochzeiten wird sicherlich eher etwas Flottes und Heiteres gespielt, was bei einer Trauerfeier natürlich meistens unpassend ist“, erklärt die Organistin.


Flexibilität, das ist ohnehin das Zauberwort in Rodenbergs Beruf. „Kein Tag ist wie der andere, die Selbstorganisation spielt eine große Rolle“, berichtet sie. Das sei einerseits sehr förderlich für die eigene Kreativität und ein Zeichen von Autonomie, aber auf der anderen Seite auch durchaus mit Stress verbunden: „Es kommt vor, dass ich abends zu Hause sitze und denke, du bist ja irgendwie nie fertig“.

Gerade in der Zeit rund um Weihnachten und Neujahr gab es für die Kirchenmusikerin naturgemäß viel zu tun. Fast jeden Tag ein Gottesdienst. Mindestens. Und auch während sie an der Orgel sitzt, ist die Organisation von großer Bedeutung. Links liegt das Gesangbuch, rechts die eigenen Noten, zentral der Ablaufplan des Gottesdienstes. Diesen hat sie einige Tage vorher vom Pfarrer erhalten, mit dem sie auch während der Zeremonie kommunizieren muss. „Blickkontakt zu halten ist wichtig, damit ich nicht in eine Lesung oder ein Gebet hinein spiele“, weiß Rodenberg, die selbst gläubige evangelische Christin ist.

Die zu begleitenden Gemeindelieder hat sie vorher zu Hause am Klavier geübt, die wichtigsten Choräle kann sie „vom Blatt“ spielen, das Orgelvor- und Nachspiel steuert sie selbst bei. „Man hat mit der Zeit ein gewisses Repertoire, die Musik ist ja schließlich mein Beruf“, sagt Uta Rodenberg, die schon seit ihrem siebten Lebensjahr Klavier spielt.

Später kam dann die Orgel hinzu, in ihrer Heimatgemeinde in Minden verdiente sie sich als Organistin als Jugendliche ein paar Mark dazu: „Ich bin mit Kirchenmusik groß geworden und habe sie immer gemocht“, erinnert sie sich.

Es folgten insgesamt sechs Jahre Ausbildung und Studium, in denen sie zusätzlich ihre Liebe zur Chorleitung entdeckte. Seitdem war sie ununterbrochen als Leiterin tätig, aktuell hält sie beim evangelischen Kirchenchor, den weltlichen „Scales“ und beim im vergangenen Jahr gegründeten Kinderchor die Fäden in der Hand. „Seitdem ist viel mehr Büroarbeit hinzugekommen“, räumt Rodenberg mit der Vorstellung auf, ihr Job bestehe ausschließlich aus Musik. Das Aussuchen der Lieder und das Schreiben von Plänen, mit denen Proben und Auftritte koordiniert werden, Pressearbeit und das Entwerfen von Plakaten sind nur einige ihrer Aufgaben. Und trotzdem: Ihren Beruf tauschen möchte die zweifache Mutter sicher nicht. „Auf die ständige Arbeit mit ganz unterschiedlichen Menschen und die Vielfalt möchte ich auf gar keinen Fall verzichten.“



11 · 01 · 12





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