Das digitale Lesezeitalter zeigt seine Zähne


Eigentlich ist es ganz einfach, doch die Software macht Probleme: MV-Redaktionsleiter Ulrich Reske lässt sich von den Bibliotheksleiterin Sigrid Högemann (rechts) und ihrer Mitarbeiterin Lilo Bücker die digitale Ausleihe erklären.Foto:
Eigentlich ist es ganz einfach, doch die Software macht Probleme: WN-Redaktionsleiter Ulrich Reske lässt sich von den Bibliotheksleiterin Sigrid Högemann (rechts) und ihrer Mitarbeiterin Lilo Bücker die digitale Ausleihe erklären.Foto:
(Peter Beckmann)


Greven - Eigentlich, ja eigentlich darf es knistern und knicken. Manchmal dürfen seine Fasern reißen, die Blätter vergilben oder die Ecken sich in einem kleinen Knick zum Eselsohr legen. Ob in Büchern oder Zeitungen, dick oder dünn - Papier lebt. Wie bitteschön sollen elektronische Lesegeräte dem guten alten Druckerzeugnis das Wasser reichen? Seinen Vorteil spielt das nur wenige Gramm schwere, mit klarem, nicht reflektierendem und in Größe und Typ variablem Schriftbild beispielsweise beim abendlichen Einschlaflesen aus. Da liegen die Vorteile in der Hand.

Stadtbibliothekarin Sigrid Högemann liebt´s papieren und digital. Auch wenn das Angebot noch ausbaufähig ist, hat sie in der Stadtbibliothek das digitale Lesezeitalter längst eingeläutet. Vor gut einem Jahr hob sie gemeinsam mit Bibliotheken aus dem ganzen Münsterland www.muensterload.de aus der Taufe. „Meine Wortschöpfung“, erklärt sie in aller Bescheidenheit die Plattform, über die digitale Medien auf heimische Rechner und entsprechende E-Book-Reader ausgeliehen werden können.


Doch das Portal, über das die Bibliotheken in Ahaus, Bocholt, Coesfeld, Dülmen, Emsdetten, Greven, Ibbenbüren, Münster, Rheine und Steinfurt zu erreichen sind, hatten die Bibliotheken zwar weit geöffnet, doch kaum jemand durchschritt es bisher. „Wir haben das ein bisschen angeboten wie Sauermilch“, beschreiben Sigrid Högemann und ihre Mitarbeiterin Lilo Bücker die digitale Zurückhaltung nicht nur des Grevener Lesepublikums.

Doch mit dem Weihnachtsgeschäft brachen die Dämme. Das E-Book wurde zum Renner und für manchen Nutzer zum echten Problem, denn nicht alles, was der Elektronikmarkt produziert, berechtigt zum Eintritt in die münsterländische Bibliothekenwelt. Der Kindl etwa wurde als Preisbrecher zum Renner. Mit seiner Software kann man sich zwar beim Riesen Amazon eindecken, nicht jedoch über muensterload digital entleihen. „Dazu benötigt man das Epub-Format.“ Dem Kindl fehlt´s.

Seit aber eben das Christkindl nicht nur den Kindl, sondern auch andere E-Book-Reader unter den Gabentisch gelegt hat, wächst in Grevens Stadtbibliothek der Beratungsbedarf. „Ganz häufig fragen Kunden nach, welches Gerät sie nehmen sollen, welche Software herunterzuladen ist“, erzählt Högemann. Im Auftritt von muensterload gibt es inzwischen eine Liste der Geräte, mit denen man Bücher digital ausleihen kann.

Sigrid Högemann selbst hat mit dem Gerät „Weltbild“ gute Erfahrungen gemacht. „Das funktionierte ganz einfach.“

Doch auch das digitale Bibliotheksangebot selbst stößt an seine Grenzen. Bei einem kleinen Test Anfang Januar waren von den insgesamt 2000 elektronischen Medien im Bestand lediglich drei verfügbar. „Im Sommer wie Senkblei, und jetzt werden wir überrollt“, sagt Sigrid Högemann. Sie weiß, dass mehr Investitionen im digitalen Bereich erforderlich sein werden. Geht es nach den beiden Bibliotheksfrauen wird es dazu auch bald kommen.

VON ULRICH RESKE, GREVEN


04 · 02 · 12





TOP ARTIKEL
Topartikel Icon
TERMINSUCHE


Zeitraum:
von Kalender

Fehler: Kein kein gültiges Datum !
Format: dd mm yyyy
bis Kalender
Rubrik:
MÜNSTERLAND


© Münsterländische Volkszeitung - Alle Rechte vorbehalten 2012

Impressum | Datenschutz | AGB | Sitemap
Media-Daten | Netiquette