Was für ein Theater!

Dr. Christos Chrysanthou (links) freut sich über die Spende des ThiK-Ensembles für das Steinfurter Bündnis gegen Depression, die Karlheinz Arndt jetzt überreicht hat. Im Hintergrund Bilder und Plakate vergangener Aufführungen.Foto:
Dr. Christos Chrysanthou (links) freut sich über die Spende des ThiK-Ensembles für das Steinfurter Bündnis gegen Depression, die Karlheinz Arndt jetzt überreicht hat. Im Hintergrund Bilder und Plakate vergangener Aufführungen.Foto:
(Michael Baar)


Lengerich - Entspannt sitzen Karlheinz Arndt und Dr. Christos Chrysanthou im Büro des Mediziners in der Besucherecke. Eine Tasse Kaffee beziehungsweise Tee steht vor ihnen. Ein Ritual, das ein Mal im Jahr in dieser Form gepflegt wird. Anlass ist das Theater in der Klinik (ThiK). Dessen Aufführungen werden im Festsaal der LWL-Klinik auf die Bühne gebracht.

Weit über 3000 Besucher haben in der vergangenen Spielzeit die insgesamt 21 Aufführungen besucht, hat Karlheinz Arndt ausgerechnet. Elf Mal allein ist „Charley´s Tante“ aufgeführt worden. Premiere war am Silvesterabend. Eine zweite Premiere im Januar. „Das Stück hat mir sehr gut gefallen“, freut sich der ärztliche Direktor der Klinik, dass es ihm endlich gelungen ist, eine Aufführung in seinen privaten Terminkalender zu integrieren.


Für „Als die Bilder laufen lernten“, das Schülerstück, und „Ernst sein ist alles“ hat sich jeweils fünf Mal der Vorhang gehoben. Erfolge also auf ganzer Linie. Für die beiden Männer steht das in diesem Augenblick nicht im Vordergrund. „Die Zuschauer fühlen sich im Bereich der Klinik wohl“, berichtet der „Vater“ des ThiK. Genau das ist vor 22 Jahren die Intention gewesen, den Festsaal als Theaterbühne zu nutzen: Berührungsängste zwischen den Bürgern und den Patienten abzubauen, Kontakte zu ermöglichen, Hemmschwellen zu überwinden.

Dazu tragen die Thik-Ensembles direkt und indirekt bei. Durch die Aufführungen und durch den daraus erzielten Erlös. 1500 Euro sind es, die Karlheinz Arndt an diesem Nachmittag per Überweisungsträger zur Verfügung stellt. Vorsichtig äußert Christos Chrysanthou den Wunsch, die Spende letztmalig für das Steinfurter Bündnis gegen Depression einzusetzen. Einige Workshops stehen an, deren Finanzierung wäre damit gesichert.

Der Theater lebende Karlheinz Arndt hat keine Bedenken. Damit schließt sich ein Kreis: Das Thik hat die erste große Spende für das Bündnis gegeben und „jetzt wohl auch die vermutlich letzte“, sagt dessen Initiator Christos Chrysanthou.

Die Ent-Tabuisierung des Themas Depression - der Freitod des National-Torhüters Robert Enke hat dem Bündnis (ein gemeinnütziger Verein) unverhofft viel Aufmerksamkeit beschert. „Die Zahl der Anfragen hat stark zugenommen“, berichtet der Mediziner. Was nicht nur Freude ausgelöst habe. „Wir haben uns auch Sorgen gemacht“, bekennt Christos Chrysanthou. Hausärzte und Betroffene hätten sich gemeldet. Darunter mit Sicherheit auch einige Suizid-Gefährdete, denen man hoffentlich habe helfen können.

Der Blick richtet sich nach vorn, auf die neue Spielzeit des ThiK. Auf alle Fälle soll es ein Schülerstück im Festsaal geben. Die Silvester-Premiere der Ehemaligen ist ohnehin unantastbar. Ein drittes Stück? Der Blick in den Ferienkalender wirft auf der Stirn von Karlheinz Arndt ein paar Falten auf. Die Sommerferien spät und der März generell als nicht so günstiger Termin für die Ehemaligen. „Das ist noch völlig offen“, räuspert er sich schließlich. Daran ist nicht zu rütteln. Schließlich ist „Kalle“ Arndt seit 1976 im Theater-Milieu aktiv. Er wird es wissen.


10 · 03 · 10



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