Lengerich - Es gibt sie also doch noch die skurrilen Pauker. Das demonstrierte der von Angelika Heitmann geleitete Literaturkursus des Hannah-Arendt-Gymnasiums mit seiner eigenwilligen Adaption des Schulklassikers „Feuerzangenbowle”, die am Mittwochabend in der Studiobühne der Schule eine vergnügliche Premiere feierte.
Der Kursus hat die Buch- und Filmvorlage stark verändert, aktualisiert und auf Lengericher Verhältnisse getrimmt. Das zumeist jugendliche Premierenpublikum amüsierte sich prächtig über die Marotten und Sprüche des Lehrpersonals. Da ist der Musiklehrer Sewet, der den Unterricht mit einer Tasse Tee und einer geschälten Banane beginnt, der seine Schüler mit seinen Lieblingsliedern traktiert („Zogen einst fünf wilde Schwäne“, „Hoch auf dem gelben Wagen“) und nie pünktlich aufhören kann. Oder die Spanischlehrerin Frau Kurze mit ihrer akribischen Anwesenheitskontrolle und den fruchtlosen Appellen ans Verantwortungsgefühl. Oder der Mathelehrer Steppenwolf, der rein akustisch nie etwas mitkriegt. Oder der Sportlehrer Kraft, der das Tanzen nicht für eine sportliche Betätigung hält und lieber Liegestütze machen lässt.
Da gibt es sprachliche Manierismen (Wer ist am dransten?), ungewollte Zweideutigkeit (So, alle Bläser, die noch keinen Ständer haben, kommen bitte hoch und holen sich einen runter!) und neckische Ticks wie bei jenem Lehrer, der immer erst Stuhl und Pult mit einem Taschentuch zu säubern pflegt „wegen der Keime”. Natürlich versteht das Publikum jede Anspielung, kann die Karikierten mühelos erkennen und reagiert mit Szenenapplaus.
Die Modernisierung des Stoffes hat jedoch auch ihre Tücken. Im Original besucht Pfeiffer eine reine Jungenschule, heute sind alle Gymnasien koedukativ ausgerichtet. Im Original ist Pfeiffers Schülerliebe die Tochter des Direktors und dem Gymnasialprofessor Crey versprochen, der von Pfeiffer köstlich parodiert wird („Nur einen wenzigen Schlock!“). Diese chaotische Chemiestunde kommt natürlich auch in der Fassung des Literaturkurses nicht zu kurz - allerdings wird hier der Chemielehrer nicht durch eine Intrige am pünktlichen Erscheinen gehindert, Lehrer Langenfranz hat seinen Unterricht freiwillig verlassen, um Kuchen zu holen, und Pfeiffer muss sich nicht umständlich verkleiden, um den Lehrer zu imitieren, Langenfranz ist nämlich ein cooler T-Shirt-Typ wie viele der heutigen Lehrer.
Die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses schlüpfen mit Lust und Spielfreude in die diversen Lehrer- und Schülerrollen, spielen das kurzweilige Stück mit seinen 21 Szenen flott herunter, kommen mit weinigen Requisiten und einer Einheitskulisse (die Außenansicht des HAG auf einer zwölf Quadratmeter großen Fototapete) aus. Heinrich Spoerl, der Autor der Romanvorlage, nannte sein Werk ein Loblieb auf die Schule, meinte allerdings, es sei möglich, dass die Schule das nicht merke. Dass der Literaturkursus seiner Schule in kritischer Zuneigung verbunden ist, das zeigt seine Version der „Feuerzangenbowle” in jeder Szene ein passendes Präsent zum 50. Schuljubiläum.
Eine weitere Vorstellung ist am Sonntag, 17. Juli, um 20 Uhr in der Studiobühne.