Über die Kälte lacht sie nur


Anastasia („Nasti“) Kudryashova mit Friedel Stegemann (rechts) bei Waldarbeiten am Wasserfall. Der jungen Frau aus Russland macht klirrende Kälte nichts aus. Sie ist aus ihrer Heimat Temperaturen von unter -40 Grad Celsius gewohnt. Laptop-Computer und Akkordeon sind für sie kein Widerspruch (kleines Foto).
Anastasia („Nasti“) Kudryashova mit Friedel Stegemann (rechts) bei Waldarbeiten am Wasserfall. Der jungen Frau aus Russland macht klirrende Kälte nichts aus. Sie ist aus ihrer Heimat Temperaturen von unter -40 Grad Celsius gewohnt. Laptop-Computer und Akkordeon sind für sie kein Widerspruch (kleines Foto).


Lienen - „Das ist kein Grund zur Klage.“ Anastasia („Nasti“) Kudryashova lacht über Temperaturen von -14 Grad. Sie, die aus Irkutsk (liegt am Baikalsee) stammt, ist andere Zahlen gewohnt. Jüngst waren es gerade 40 Grad unter Null, wie sie von ihrer Mutter erfahren hat. Die junge Russin war auf dem Hof Stegemann (Zum Wasserfall 10) als Praktikantin.

„Nasti“ war schon von April 2005 bis März 2006 für ein Jahr in Deutschland. Sie hatte sich bei der in Lienen-Kattenvenne ansässigen Organisation „Logo e.V.“ (Landwirtschaft und ökologisches Gleichgewicht mit Osteuropa) für ein einjähriges Praktikum gemeldet und war dann auf drei ökologisch wirtschaftenden Betrieben in Deutschland tätig.


Anastasia verfügt über gute Deutsch-Kenntnisse. Sie hatte aber nicht Landwirtschaft gelernt, sondern Tiermedizin (in Irkutsk) studiert  und nach dem Studium in Angarsk gearbeitet. Die Stadt Angarsk liegt ebenfalls am Baikalsee.

Deutsch lernte sie bei ihrer Großmutter und Mutter. Dank der guten Erfahrungen beim ersten Aufenthalt in Deutschland hatte sie für drei Monate ein Visum für Deutschland erhalten. Jetzt war sie aber über die Organisation „workaway“ nach Deutschland gekommen und hatte von Ende Oktober bis Mitte Dezember in einem Hundehotel in Halle (Westfalen) gearbeitet.

Mitte Dezember machte sie sich zu Fuß mit ihren Reisegepäck auf den Weg von Halle nach Versmold, wo sie Jemanden von „workaway“ treffen wollte. Kurz vor Versmold war sie Valerie Friesen aufgefallen, der sie mit seinem Auto überholt hatte. Friesen fuhr zurück und fragte nach ihrem Ziel.

Dabei stellte sich heraus, dass beide aus Russland stammten. Friesen war Anfang der 90er Jahre als Russlanddeutscher mit seiner Familie ausgesiedelt. Dabei muss noch erwähnt werden, dass seine Familie der menonitischen Kirche angehört. Er hat Anastasia für eine Nacht bei seiner Familie untergebracht. Dabei lernte sie eine Mitarbeiterin von „Logo“ kennen, welche sie tags darauf mit nach Lienen-Kattenvenne nahm. Dort wurde sie vom Vorsitzenden von Logo, Dr. Hartwig Mennen, in Empfang genommen, der sich über den Besuch einer ehemaligen Praktikantin aus Russland freute.

Jetzt suchte sie aber noch für den Rest ihrer Zeit in Deutschland eine Aufgabe und Bleibe. Dr. Mennen machte die junge Dame dann mit Stegemanns bekannt. Schnell war man sich einig. Die Lienener Familie hat sie als „Wwooferin“ aufgenommen. Wwoof bedeutet: Willing worker on Organic farms (freiwillige Helfer auf ökologischen Bauernhöfen). Es ist ähnlich wie bei workaway: Sechs Stunden arbeiten für Kost und Logis.

Aus Kostengründen wollte Anastasia mit einem Bus nach Moskau und mit der Bahn weiter nach Irkutsk reisen. Das hätte aber fast eine Woche gedauert. Durch ihre gute Mitarbeit wurde sie mit einem Flugticket belohnt und konnte somit vier Tage länger in Deutschland bleiben.

Über Weihnachten reiste Anastasia für zwei Wochen zu ihrer Tante nach Prag. Danach kehrte sie wieder nach Deutschland zurück.

Friedel Stegemann: „Insgesamt haben wir gemeinsam eine schöne Zeit verbracht. Anastasia war sehr fleißig und nett. Sie war stets pünktlich zu den verabredeten Zeiten zur Stelle.“

Und: „Als wir Anfang des Jahres erst über die Schneemengen und dann über die tiefen Temperaturen bis -18 Grad Celsius klagten, schmunzelte sie nur.“



08 · 02 · 10





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