Grüne Bäume und schwarze Kohle


Im Sommer ist nicht schwer zu erraten, wie der Grüne Weg in Mettingen zu seinem Namen gekommen ist.
Im Sommer ist nicht schwer zu erraten, wie der Grüne Weg in Mettingen zu seinem Namen gekommen ist.


Von Horst Michaelis

METTINGEN. Straßennamen, in denen einzeln stehende Eigenschaftswörter vorkommen, sind verhältnismäßig selten. In den Ortsplänen von Mettingen, Recke, Westerkappeln und Ibbenbüren sowie in den Straßenverzeichnissen von Münster, Rheine und Osnabrück tauchen nur folgende Eigenschaftswörter auf, beginnend mit dem häufigsten: alt, grün, groß, lang, kurz, schwarz, klein, eng.

In Mettingen tauchen unter anderem die Farben Schwarz und Grün in Straßennamen auf. Die „Schwarze Straße“, auf Ibbenbürener Gebiet noch „Schwarzer Weg“ genannt, beginnt an der Schachtanlage Oeynhausen der RAG an der Osnabrücker Straße, führt geradewegs zur Nordschachtstraße und dann bis zur Recker Straße. Auf die Frage, warum die Straße den Namen „Schwarze Straße“ erhalten hat, gibt es zwei unterschiedliche Antworten, die beide mit schwarzer Schafbergkohle zu tun haben. Die erste: Weil auf dieser Straße den Mettinger Bergleuten die Deputatkohle angeliefert wurde. Die zweite, die wohl am ehesten zutrifft: Die Straße war früher nur ein sandiger Weg, aus dem sich Anwohner manchmal sogar eimerweise Sand holten. Eines Tages wurde der Weg ausgekoffert und mit den schwarzen Waschbergen der Zeche verfüllt. Den Namen „Schwarze Straße“ beschloss der Rat am 29. Juli 1958.

Mit der Farbe Grün schmücken sich viele Dörfer und Städte in ihren Straßennamen: In Ibbenbüren stehen zum Beispiel die Straßenschilder „Grüner Weg“ und „Grüner Brink“. „Grüner Weg“ heißen außerdem Straßen in Recke, Osnabrück und Münster. In Osnabrück kommen noch ein „Grüner Brink“ und eine „Grüne Breede“ hinzu, in Münster eine „Grüne Gasse“, ein „Grüner Winkel“, ein „Grüner Grund“ und ein „Grüner Hang“. Bereits 1926 gab es auch einen Grünen Weg in Mettingen, allerdings an ganz anderer Stelle als heute. Damals trug die Straße, die von der Bäckerei Sültemeyer bis zur Schreinerei Konermann führte, den Namen „Ibbenbürener Straße“ (heute Landrat-Schultz-Straße). Ein Teil dieser Straße, von der Hausnummer 1 bis zur 7, hieß „Grüner Weg“. Dieser Weg hieß vor 85 Jahren vielleicht deshalb so, weil er aus dem Dorf hinaus ins noch unbebaute Grüne (Felder und Wiesen) führte.

Der heutige „Grüne Weg“, der von der Bergstraße am neuen Friedhof bis zur Bischofstraße verläuft, erhielt seinen Namen erst am 7. März 1959. Dass der Gemeinderat mit dieser Namensgebung richtig lag, wird jeder Wanderer bestätigen. Am Anfang des Weges bietet sich ein weiter Blick ins norddeutsche Tiefland. An manchen Tagen kann man sogar die weißen Kirchenmauern in Voltlage erkennen. Nach rund 100 Metern senkt sich der Weg, rechter Hand begleitet von Waldrandgebüsch aus Holunder, Eberesche, Feldahorn und Haselnuss-Sträuchern. Wenige Schritte weiter wird aus dem Gebüsch ein Hochwald aus Eichen, Birken, Espen und hohen, efeuberankten Rotbuchen, deren glatte Rinde im Frühling manchmal vom Schwarzspecht bearbeitet wird. Im Laufe der Zeit hat der Regen den Weg dort so stark ausgewaschen, dass mächtige Baumwurzeln freigelegt wurden und ein Hohlweg entstand. Am Waldweg erreicht der „Grüne Weg“ den Fuß des Schafberges. Bis zum Grünhaus an der Bischofstraße behält er seinen Namen zu Recht, denn beiderseits grasen auf grünen Weiden oft Kühe und Pferde.



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