Neuenkirchen. Irgendwann wachsen einem die Schulden über den Kopf. Der Fernseher auf Pump, die Raten für das Auto laufen auch noch, eine Rechnung nach der anderen flattert ins Haus. Wenn Schulden zum Problem werden, will das Netzwerk Familienzentrum helfen. Im Kardinal-von-Galen-Haus wird eine kostenlose Schuldnerberatung angeboten.
Bernhard Lütkenhues ist Rentner und ehrenamtlicher Schuldnerberater. Als gelernter Diplom-Kaufmann und jahrelanger Geschäftsführer eines Unternehmens bringt er nicht nur Lebenserfahrung, sondern auch berufliche Erfahrungen mit. „Solange die Schulden regelmäßig zurückgezahlt werden, ist das kein Problem. Aber wenn das nicht mehr gelingt, spricht man nicht mehr von Verschuldung, sondern Überschuldung“, sagt Lütkenhues. Diese Überschuldung resultiert nicht immer aus dem Überschätzen der eigenen Rückzahlungskraft, sondern auch aus den lebensbedingten Schicksalsereignissen wie Arbeitslosigkeit oder Scheitern der Ehe.
Die Schuldnerberatung wird bereits seit vier Jahren im Sozialbüro von Schwester Giselhild angeboten. Nun wollen die Familienzentren in Neuenkirchen eine weitere Anlaufstelle zum Sozialbüro sein. Die betroffenen Familien können sich entweder in den beiden Familienzentren - der Kindergarten „Korallenriff“ am Harumer Weg sowie der Kindergarten St. Josef in St. Arnold - oder im Netzwerk im Galen-Haus an der Marienstraße melden. Dort wird dann sofort ein Termin mit dem Schuldnerberater Lütkenhues vereinbart.
Bei der Beratung unternimmt Bernhard Lütkenhues eine erste Einschätzung des Umfanges der Schulden und entwickelt eine Vorgehensstrategie. „Wichtig in diesen Gesprächen ist die Vertrauensbasis, ich kann nur dann helfen, wenn alle Schulden offen auf den Tisch gelegt werden“, sagt der Berater.
Die erste und vordringliche Aufgabe der Schuldnerberatung ist die Hilfe beim Erstellen eines Haushaltsplanes sowie der Schuldenliste. Hilfreich ist dabei die Führung eines Haushaltsbuches: Es sollte aufgeschrieben werden, welche Einnahmen jeden Monat verfügbar sind und welche Ausgaben dem gegenüberstehen.
„Wichtig ist, dass alles aufgelistet wird, wofür das Geld ausgegeben werden muss. Die größten Posten sind sicherlich Miete und Mietnebenkosten sowie die Ausgaben für Strom, Gas und Wasser und schon vorhandene Abzahlungspflichten“, so Lütkenhues. Mietrückstände führen schnell zur Kündigung der Wohnung und damit Obdachlosigkeit. Die Energielieferanten zögerten auch nicht lange, die Lieferungen einzustellen. Vielfach reiche die verbleibende Summe dann nicht aus, die Grundbedürfnisse zu befriedigen.
„Wenn die Verschuldenssituation so verfahren ist, dass theoretisch keine Möglichkeit mehr besteht, die Schulden jemals abzutragen, dann bleibt nur die sogenannte Privatinsolvenz“, sagt der Schuldnerberater.
In den meisten Fällen findet aber der sachkundige Mitarbeiter der Schuldnerberater eine Lösung für die finanziellen Probleme. Eines aber sei absolute Voraussetzung: Ohne die Mithilfe des Schuldners gehe es auf keinen Fall. „Es fordert Ehrlichkeit, strikte Ausgabendisziplin und einen harten Durchhaltewillen. Erst nach längerer Zeit wird sich dann der Erfolg einstellen“, sagte Bernhard Lütkenhues.
Kontakt: Daniela Brinker (Diplom Sozialpädagogin und die Leiterin des Netzwerkes Familienzentrums), Telefon 05973 / 900878 (mittwochs von 8 bis 12.30 Uhr und freitags von 13.30 bis 15 Uhr). Daniela Brinker wird bei Bedarf einen Termin für ein ausführliches Beratungsgespräch vereinbaren. Die Beratung ist kostenlos.
www.familienzentrum-neuenkirchen.com